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Kölner Ethnologische Studien

Herausgeber: Martin Rössler

erscheint im: LIT Verlag

In der Reihe 'Kölner Ethnologische Studien', die von Ulla Johansen begründet wurde und seit dem Jahr 1980 erscheint, werden herausragende Dissertationen von Doktoranden des Kölner Instituts veröffentlicht, ohne dass dabei ein besonderer inhaltlicher oder regionaler Schwerpunkt verfolgt wird. Gegenwärtiger Herausgeber ist Martin Rössler.

Die Veröffentlichungen dieser Reihe, die in unregelmäßiger Folge erscheinen werden, können über den Buchhandel bezogen werden.

Die Ethnologin Silke Tönsjost untersucht die Verteilung von ökonomischem, sozialem und symbolischem Kapital bei Viehhaltern im Nordwesten Namibias. (Un)gleichheiten und ihre Ursachen analysiert sie anhand quantitativer und qualitativer Methoden. Besonderes Augenmerk wird auf die Diskriminierung von Frauen beim Zugang zu den Kapitalformen gelegt.
Die Autorin beschreibt die sozialen Normen der Egalität und Reziprozität, die zum einen den Besitz und die Umverteilung von Vieh, Alltagsgütern und Geld regulieren und zum anderen einen vom Wohlstandsniveau unabhängigen homogenen Konsumstil konstituieren.

Mit dem vorliegenden Buch stellt die Autorin die bevorzugte Beziehungsstrategie einer bestimmten Gruppe von Frauen im Township Mamelodi vor: Bonyatsi. Obwohl Eheschließungen einen hohen sozialen Status versprechen, entschließen sich diese Frauen dazu, eine Beziehung mit einem gut situierten, aber bereits verheirateten Mann einzugehen. Die Autorin zeigt mittels zahlreicher Lebensgeschichten und qualitativer Interviews, wie bonyatsi den Frauen ermöglicht, agency zu entwickeln und ihren Platz in der hoch stratifizierten südafrikanischen Gesellschaft mitzubestimmen.

In westafrikanischen Ländern wie Benin gehören magisch-okkulte Praktiken zum Alltag. Die Angst vor Hexerei und Neid führt zu einem Umgang mit Geld, bei dem oft keiner so recht weiß, was der oder die Andere verdient. Gleichzeitig belasten Ausgaben für magisch-okkulte Praktiken empfindlich die Finanzen des Einzelnen. Mit dem Werkzeug von Bourdieu's Theorie der sozialen Praxis betritt die Autorin geschlechtsspezifische Räume der Existenzsicherung und liefert dichte Einblicke in die Ökonomie des Okkulten. Das entstehende Wirkgefüge aus Geschlecht, Magie und Geld liefert neue, wichtige Impulse für die Westafrikaforschung.

Die medizinische Landschaft Benins ist geprägt von einer Fülle therapeutischer Traditionen. Neben indigenen Medizinen stehen Biomedizin, Traditionelle Chinesische Medizin und religiöse Einrichtungen (z.B. innerhalb Christentum, Islam, Ahnendienst und Vodun) für Therapien zur Verfügung. Die staatliche Gesundheitsversorgung wird indes nur von 36% der Bevölkerung in Anspruch genommen, obwohl 83% Zugang zu ihr haben. Warum wird sie so wenig genutzt? Das Buch untersucht Nutzungskriterien und Entscheidungsverläufe verschiedener Bevölkerungsgruppen hinsichtlich ihrer medizinischen Versorgung.

Das Bild einer intern kohärenten aber nach außen nur wenig integrierten Gemeinde hat über Jahrzehnte die mesoamerikanische Ethnographie geprägt. Dabei sind soziale Beziehungen kaum berücksichtigt worden. Diese Ethnographie beschreibt die Vernetzung einer mexikanischen Gemeinde durch Heiraten, compadrazgos und cargos. Die Öffnung der Gemeinde setzt bereits im frühen 18. Jahrhundert ein. Modernisierung und Industrialisierung haben diese Entwicklung weiter vorangetrieben. Die Außenkontakte haben sich jedoch nicht als Gefahr für die Kohäsion und die Identität der Gemeinde erwiesen. Das außerhalb Beléns erwirtschaftete Geld wird vielmehr in Fiestas innerhalb der Gemeinde in kulturelles Kapital umgesetzt.

In der ariden Region Richtersveld in Südafrika leben Ziegenhalter, die unter schwierigen Bedingungen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie sind seit Jahrhunderten auch in Lohnarbeit und Handel eingebunden. Seit der Entdeckung von Diamanten ab Ende der 1920er Jahre hat die Bedeutung der Lohnarbeit stark zugenommen. Dieses Buch zeigt, mit welchen Strategien Menschen versuchen die Verluste zu verringern, die durch Gefahren der Umwelt, durch Arbeitslosigkeit oder Landenteignungen entstehen können. Dabei sind vor allem eine Diversifizierung von Einkommensquellen und die Kooperation zwischen Haushalten bedeutsam. Ferner werden gruppenbasierte Strategien angewandt, denn nach dem Ende der Apartheid werden ethnische und regionale Identitäten genutzt, um Zugang zu Ressourcen zu erhalten.

Im Westen der Mongolei ziehen Nomaden scheinbar unverändert seit Jahrhunderten mit ihren Herden von einer Weide zur nächsten. Tatsächlich jedoch sind die Menschen dort tief in die großen weltpolitischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts hineingezogen worden. Nach Jahrzehnten sozialistischer Planwirtschaft sehen sie sich heute den neuen Herausforderungen einer privaten Marktwirtschaft ausgesetzt. Diese Arbeit schildert die Auswirkungen dieser Transformation im lokalen Kontext und die Strategien der Betroffenen, ihr Leben neu zu organisieren. Von zentraler Bedeutung ist dabei der Wandel von formellen und informellen Institutionen. In sozialistischer Zeit hatte der Allmachtsanspruch des Staates zu einer Schwächung lokaler Institutionen geführt, denen heute daher oft die Vertrauensgrundlage fehlt, um als Basis für den Neuaufbau kooperativer Strukturen zu dienen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Handlungsstrategien und Entscheidungsgrundlagen der einzelnen Akteure innerhalb der bestehenden Rahmenbedingungen aufzuzeigen.

Die Regalia des Kabaka von Buganda werden seit der Reetablierung des ostafrikanischen Königtums im Jahr 1993 zunehmend instrumentalisiert. In ihrer Untersuchung zeigt Clara Mayer-Himmelheber, wie verschiedene den Diskurs um das Königtum prägende Gruppen die Regalia zur Konstruktion unterschiedlicher Identitäten nutzen. Am Beispiel dreier Arenen - den Krönungsfeierlichkeiten, den königlichen Gräbern und der Hochzeit des Kabaka - dokumentiert sie, wie die Regalia im Laufe dieser Konstruktionen ihre Bedeutung immer wieder verändern.

Demographische Phänomene werden heute zunehmend in der Ethnologie in ihrer elementaren Bedeutung für die Erklärung kulturellen Wandels berücksichtigt. Die Studie untersucht den Zusammenhang von demographischen, wirtschaftlichen und sozialen Transformationen am Beispiel einer ländlichen Gemeinde in Zentralmexiko. Der Rückgang der Sterbeziffern und der Geburtenziffern sowie eine starke Zunahme der nationalen und internationalen Migration haben die Familie, die Haushaltsstruktur und die Haushaltsökonomie grundlegend verändert. Durch die Analyse qualitativer und quantitativer Daten gleichermaßen gelingt es der Autorin, eine Typologie der unterschiedlichen, sehr heterogenen, Lebensstrategien zu entwickeln, die in den letzten 50 Jahren in der Gemeinde entstanden sind.

Kommunitäre Gruppen - Gemeinschaften, die freiwillig alles gemeinsam haben - treiben das Teilen ins Extrem. Wie alle Formen der Kooperation, in denen Zwang (Staat) und individuelle materielle Anreize (Markt) ausgeschlossen sind, macht sie dies anfällig für den Egoismus ihrer Mitglieder. Die meisten dieser Experimente scheitern denn auch schnell, doch einige blühen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte und unternehmen mutige, oft utopische kulturelle Experimente. Anhand eines Vergleichs von 43 Gruppen aus den letzten drei Jahrhunderten - darunter so bekannte wie die Hutterer, die Kibbutzim, Oneidea, die Shakers und die Bruderhof-Gemeinschaften - klärt Christoph Brumann die Gründe für die seltenen Erfolge. In Bereichen wie Größe, Zweigstrukturen, Ehe und Familie, charismatischer Führung und Überzeugung entdeckt er überlebensförderliche und -hemmende Bedingungen, die er in integrierten Modellen zusammenfaßt. Statt der in Kulturvergleichen sonst üblichen statistischen Verfahren nutzt er dazu intensive Fallanalysen und die Möglichkeiten der Implikationslogik. Es zeigt sich, daß es eine Reihe von Gesetzmäßigkeiten gibt, die sich unabhängig von den offiziellen Überzeugungen der Gruppen auswirken, mitunter ohne diesen überhaupt bewußt zu sein.
Diese Studie ist ein Plädoyer für die empirisch orientierte, vergleichende Erforschung von Kooperation. Oft scheitert Kooperation nicht am mangelnden Idealismus, sondern am falschen Design. Wer Menschen dazu bringen möchte, zu teilen - ob nun Güter, Arbeitsplätze oder Aufmerksamkeit -, sollte daher die bereits gemachten Erfahrungen nicht ignorieren. Kultur- und Sozialwissenschaftler aller Disziplinen sind mit diesem Thema angesprochen.

Im Mittelpunkt der ethnologischen Methode steht die Begegnung zwischen einem Ethnologen und seinem Gegenüber, dessen Lebenswelt es zu verstehen gilt. Nicht zuletzt deshalb hört der Ethnologe immer wieder biographische Erzählungen, zeichnet sie auf und kann im Forschungsprozeß häufig noch nicht genau absehen, welche Rolle sie in der Auswertung spielen werden. Genau hier setzt der vorliegende Überblick an: wie kann biographisches Material interpretiert werden, um etwas über soziale Prozesse zu sagen? Welche Rolle spielen die Entstehungsbedingungen der biographischen Erzählung dabei? Wie kann ein biographischer Text sinnvoll in einer ethnologischen Studie dargestellt werden? Dabei geht es vor allem um das Verhältnis von biographischer Erzählung, ethnologischer Begegnung und Wirklichkeit.

In fast allen wirtschaftlichen Disziplinen werden heute zunehmend Computersimulationen zur Untersuchung komplexer Prozesse eingesetzt; insbesondere dann, wenn deren Ablauf nicht auf experimentelle Weise erfaßt werden kann. Auch für den Forschungsgegenstand der Ethnologie legen verschiedene Aspekte der Komplexität, wie etwa die starke Vernetzung kultureller, demographischer und ökologischer Zusammenhänge sowie die Vielzahl möglicher Entwicklungspfade, ein Nachdenken über neue Hilfsmittel des Prozeßverstehens nahe. Neben einer allgemeinen Einführung in die Methodik und Terminologie von Computersimulationen werden anhand konkreter Anwendungsbeispiele die fachspezifischen Möglichkeiten bzw. Grenzen diskutiert. Auch dem mathematischen Laien werden dabei Kriterien vermittelt, um den eigenen Einsatz von Simulationsmodellen planen bzw. die Ergebnisse fremder Simulationsstudien besser beurteilen zu können.

Die matrilinearen Mosuo, eine tibetobirmanische Ethnie Südwestchinas, haben eine außergewöhnliche Form der sozialen Organisation. Formelle Ehen sind bei ihnen zwar bekannt, aber selten. Die sozial erwünschte Form der Mann-Frau-Bindung ist die "Azhu-Beziehung", die ohne Mitwirken Dritter aufgenommen und beendet wird. Der Mann besucht die Frau nur über Nacht, beide bleiben Vollmitglieder ihres mütterlichen Haushalts. Kinder aus einer solchen Beziehung gehören ausschließlich der Mutterseite an. Trotz großen Drucks von Seiten der kommunistischen Partei haben die Mosuo ihre Lebensform auch nach Gründung der Volksrepublik bewahrt. Die vorliegende Arbeit beschreibt die sozialen Institutionen der Mosuo sowie das wirtschaftliche und ethnische Umfeld, in dem ihre Gesellschaft sich befindet.

Sprache dient der verbalen Kommunikation, Kleidung hingegen vermittelt nichtverbale Informationen ihres Trägers. Kleidung ist für denjenigen eine Sprache, der ihre einzelnen Zeichen versteht, ihre einzelnen Elemente und ihre Kombinationen untereinander zu entziffern weiß. Sie ist ein Abzeichen der Kultur, der der Einzelne angehört. Kleidung gibt Aufschluß über individuellen Status und soziale Rollen; durch sie werden also Beziehungen der Menschen untereinander deutlich. Hinter dem äußeren Erscheinungsbild stehen oft Vorschriften, welche die Bekleidungsetikette für alle Angehörigen einer Gesellschaft verbindlich regeln, die für einen bloßen Betrachter allerdings unsichtbar bleiben. Erst durch eine intensive Beschäftigung mit der Kultur vermag der Betrachter diesen Kleidungscode zu entschlüsseln und Aussagen darüber zu geben, von welchen religiösen und sozialen Vorstellungen dieses Kleidungsverhalten geprägt ist. Die Beharrlichkeit, mit der sich Trachten in vielen Gesellschaften über längere Zeiträume hinweg halten, ist Ausdruck von Tradition. In dieser Arbeit wird durch eine Analyse der Trachten der Altgläubigen Südsibiriens versucht, Einsicht über die ihnen eigenen Normen und Werte, insbesondere aber über ihr religiöses Weltbild zu erlangen. Bis heute ist eine solche Analyse ihrer Kleidung noch nicht erfolgt.

Ostafrika ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Krisenherd par excellence geworden. Zwischenstaatliche Kriege, ethnische Konflikte und Banditentum prägen Wirtschaftsweisen und politische Organisationen auf lokaler Ebene. Die Studie beschreibt das Management intra- und interethnischer Konflikte bei den Pokot, einer Gruppe mobiler Viehhalter im Nordwesten Kenias und sucht nach Erklärungen für friedliche und gewaltsame Konfliktaustragungsmuster. In einer Phase rapider Militarisierung und wachsender Spannungen zwischen nationalstaatlichem Zentrum und peripheren Wirtschaftsräumen gelingt es den Pokot weiterhin, interne Konflikte weitgehend friedlich beizulegen. Eine engmaschige wirtschaftliche und soziale Vernetzung der nomadischen Haushalte, Nachbarschaftsräte und auf Schlichtung spezialisierte rituelle Experten helfen, den inneren Frieden zu bewahren. Dagegen werden Konflikte mit anderen ethnischen Gruppen häufig gewaltsam ausgetragen. Die Konkurrenz um Weiden und Viehbesitz, Kriegerideale und fehlende Vermittlungsinstitutionen lassen kleinere Interessensgegensätze eskalieren und in lange andauernde, verlustreiche Kriege ausarten.
In the past decades East Africa has become a crisis area par excellence. Wars between states, ethnic conflicts and banditry have left their mark on the economic activity and political organizations on a local level. The study describes the management of intra- and interethnic conflicts among the Pokot, a group of nomadic herdsmen in Northwestern Kenya, and searches for explanations for the patterns according to which conflicts are resolved by peaceful means or by resorting to force. In a phase of rapid militarization and growing tension between the national center and the economic areas on the periphery, the Pokot continue to succeed in settling most of their internal conflicts peacefully. A closely knit economic and social organization of the nomadic households, neighborhood councils and ritual experts specialized in mediation help uphold the peace within this group. In contrast, conflicts with other ethnic groups are often resolved by violent means. The competition for pastures and cattle, the influence of warrior ideals and the lack of mediatory institutions allow small-scale conflicts of interest to escalate and develop into long, devastating wars.

 

 

Abgrenzungsphänomene spielen spätestens seit Barths "Ethnic Groups and Boundaries" (1969) in der Ethnizitätsforschung eine große Rolle. Für das Verständnis von ethnischen Selbst- und Fremdzuordnungen in interethnischen Kontakten ist im Falle der Bewohner von Maligcong auf den Philippinen das Dorf an sich die zentrale Untersuchungseinheit, das eine fundamentale Rolle für das Denken, die Lebenspraxis und die soziale Organisation der bäuerlichen Gemeinschaft spielt. Der Autor untersucht die Konstituierung der sozialen Gemeinschaft in Differenz zu ihrer Außenwelt und die Sicherung dieser Differenz durch Kognitionen, Verhaltensmuster, soziale Institutionen und materialisierte Kultur.

Im zentralanatolischen Hochland hat sich durch die besonderen geographischen Gegebenheiten ein Wohnungstyp entwickelt, der sich von der aufbauenden Architektur in vielen Punkten unterscheidet. Struktur, Funktionen, das Verhältnis des Menschen zum Raum und die symbolischen Bedeutungsaspekte des Lebens in den Höhlenwohnungen stehen daher im Mittelpunkt dieser Analyse. Ein Ziel dieser Arbeit ist es darüber hinaus, die traditionelle Wohnweise durch Fotografien, Zeichnungen und Pläne ausführlich zu dokumentieren. Denn in der jüngeren Vergangenheit werden die Höhlenwohnungen von Göreme immer öfter von ihren Bewohnern abgelehnt und durch "moderne" aufbauende Wohnformen ersetzt.

Im ungarischen Volksglauben spielte der táltos, eine Figur mit paranormalen Fähigkeiten, bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eine große Rolle. Heute finden sich viele Relikte dieses Vorstellungskomplexes in Sagen, Märchen und Legenden. In einigen Regionen Ungarns beeinflusst die Figur des táltos noch bis heute das alltägliche Leben der Menschen. Ungarische Ethnologen griffen das Thema bereits erstmals im ausgehenden 18. Jahrhundert auf der Suche nach vorchristlichen Relikten im Volksglauben auf. Neuere Arbeiten widmen sich vor allem dem interkulturellen Vergleich der táltos-Gestalt mit anderen regional vorkommenden mythischen Figuren.
Ausgehend von eigenen Befragungen, die die regionalen Unterschiede in den Glaubensvorstellungen wiederspiegeln, rekonstruiert die Autorin die wichtigsten Merkmale dieser Figur und zeichnet so ein Gesamtbild, das die Ideen über Werdegang, Eigenschaften und Attribute, Tätigkeiten und das soziale Umfeld des táltos umfasst.

In dieser Monographie, die auf einer klassischen ethnologischen Feldstudie im Bergland Süd-Sulawesis beruht, beschäftigt sich die die Autorin mit der soziale Organisation, insbesondere den Autoritätsverhältnissen sowie vertikalen Mobilitätsprozessen innerhalb der rigide stratifizierten makassarischen Gesellschaft. Aus einem handlungstheoretischen Ansatz heraus stehen vor allem die individuellen Autonomiespielräume innerhalb dieses scheinbar strikten hierarchischen Systems im Mittelpunkt des Interesses.

Gegenstand dieser Studie ist der Prozess soziokulturellen Wandels in einer Dorfgemeinschaft der Hochland-Makassar in Süd-Sulawesi. Aufbauend auf einer Darstellung traditioneller religiöser Überzeugungen und Riten, der sozialen Organisation sowie des Adat stehen politisch-administrative Veränderungen sowie die seit den 1960er Jahren vorangetriebene Islamisierung im Zentrum der Abhandlung. Der damit im Zusammenhang stehende Prozess tiefgreifenden Wandels des gemeinschaftlichen Lebens wird anhand sozialer Konflikte dargestellt, die insbesondere über den religiösen Diskurs ausgetragen werden und sich im Kontext ritueller Zyklen offenbaren.

Seit Anfang der 60er Jahre gibt es eine erneute Diskussion von Problemen der Kulturevolution, die vor allem im angloamerikanischen Sprachraum geführt wird. Im Rahmen dieses neu entfachten Interesses an evolutionistischen Ideen innerhalb der Ethnologie befasst sich der Autor vor allem mit Begründungsfragen des Kulturevolutionismus, indem er verschiedene Varianten dieser Richtung ordnet und in Beziehung bringt und schließlich eine Zusammenfassung darwinistischer Kritik an den Neoevolutionismen darstellt.

Erstmals wird hier eine systematische Untersuchung der Geistervorstellungen veröffentlicht, die in dem javanischen Alltag eine große Rolle spielen Die Autorin bestimmt das Begriffsfeld "Geister", beschreibt die Geistervorstellungen im einzelnen und stellt die Umgangsmöglichkeiten der Menschen mit den Geistern dar. Theoretische und methodische Grundlage der Untersuchung bildet die kognitive Ethnologie.

Bis in die 1980er Jahre wurde kaum fundiertes ethnographisches Material über einzelne Gesellschaften im Hochland von Papua-Neuguinea veröffentlicht. Nur wenige Publikationen beschäftigten sich - allerdings stark generalisierend - mit den Enga-sprechenden Gruppen insgesamt. Daher befasst sich diese umfassende Monographie nicht einen bestimmten ethnologischen Problemkomplex in den Mittelpunkt, sondern erfasst systematisch soziale Beziehungen, Religion, Wirtschaft und materielle Kultur. Angesichts der großen politischen Umbrüche in Papua-Neuguinea in den 1970er und 80er Jahren findet auch der kulturelle Wandel Beachtung.

Neben der traditionellen indonesischen Medizin haben sich in Jakarta auch Elemente chinesischer Heilkunst etabliert. Da die chinesische herbale Medizin in Indonesien strengen Restriktionen unterworfen ist, ist sie fast ausschließlich chinesisch- stämmigen Indonesen zugänglich. Aufgrund zufälliger Kontakte, die zu Beginn einer Feldforschung in Jakarta entstanden, gelang es dem Autor, einen Einblick in die chinesische Heilkunst insgesamt, den Beruf des Heilers, verschiedene Zeremonien und die Patienten zu erlangen.

1979 wurde die alte Militärregierung in Nigeria in eine Zivilregierung umgewandelt. Dabei unternahm die neue Regierung in einigen Nigerianischen Bundesstaaten den Versuch, das traditionelle Herrschaftssystem in die neuen Strukturen mit einzubinden bzw. es den neuen Bedingungen anzupassen und zu aktualisieren. Die Autorin untersucht auf der Basis von umfassenden Material, das sie auf eigenen Feldforschungen erfasst hat, den Transformationsprozess des politischen Systems in Nigeria und beantwortet schließlich die Frage nach Good Governance.

Migranten sind im Migrationsland aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes einer besonders belastenden Situation ausgesetzt. Während sie einerseits ihr eigenes kulturelles Erbe nicht in Frage stellen wollen, wird andererseits eine große Anpassungsleistung und Neuorientierung im Immigrationsland von Ihnen gefordert. Dieser Zustand wirkt sich auf die Gesundheit der Migranten aus, so können im Extremfall psychosomatische Erkrankungen eine Folge des kulturellen Zwiespalts sein. Die Autorin zeigt in ihrer umfassenden Untersuchung am Beispiel sizilianischer Einwanderinnen in Köln, wie sich die besonders schwierige Situation im Immigrationsland auf ihre Gesundheit auswirkt.

Die "Cognitive Anthropology" ist eine Fachrichtung in der Ethnologie, die mit sprachwissenschaftlichen Verfahren die Weltbilder, Werte und Einstellungen der verschiedenen Kulturen untersucht. Bisher waren - bis auf wenige Ausnahmen - die Fallstudien in dieser Forschungsrichtung auf die Analyse von relativ isolierten Teilbereichen, wie Wortfelder etc. begrenzt. Das Thema des Buches ist die Anwendung von Verfahren aus der "Cognitive Anthropology" auf die Untersuchung von Weltbildern. Durch die Analyse von Manuskripten des Zulu Blitzzauberers Laduma Madela zeigt die Autorin, wie der innere Zusammenhang von Meinungen und Überzeugungen anhand von Texten rekonstruiert und dargestellt werden kann.

Auf der Grundlage einer mehrmonatiger Feldforschung beschreibt und analysiert die Autorin das Alltagsleben von verheirateten Frauen der urbanen Mittelklasse im Sudan. Der Fokus dieser Untersuchung liegt auf den persönlichen  Biographien und den alltäglichen Arbeitsabläufen der Informantinnen. Die soziale Organisation der Frauen der Mittelschicht im Sudan (Heirat, traditionelle Rollen) wird ebenfalls umfassend dargestellt. Dabei belegt die Autorin, dass der sozio-ökonomische und ethnische Status des Vaters für den Status einer sudanesischen Frau wichtiger ist als ihre eigene Bildung und ihr Einkommen.

Welche Verwandtschaftskonzeption liegt dem Denken und Handeln der Dorfbewohner zugrunde? Welche faktischen verwandtschaftlichen Kenntnisse und Interaktionen gibt es? Diese Fragen werden auch im Hinblick auf den modernen Kulturwandel untersucht. Dabei gewinnt dieser Aspekt durch die als Folge des Braunkohlentagebaues notwendig gewordene Umsiedlungskation eine besondere Aktualität. Die Studie stellt einen Beitrag zur ethnologischen Diskussion über die Verwandtschaft in industrialisierten Gesellschaften dar.

Obwohl die Provinz Nimruz im Südwesten Afghanistans die drittgrößte Provinz dieses Landes ist, lagen über sie lange Zeit kaum ethnologische und wirtschaftliche Daten vor. In seiner Arbeit untersucht der Autor daher systematisch die Wirtschaft und sozio-politische Organisation in der Provinz Nimruz. Zunächst beschreibt er vor dem Hintergrund ihrer Siedlungsgeschichte die Verbreitung der Baluc, die heute unter anderem in der Provinz Nimruz sesshaft sind. Um dann ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Organisation zu zeichnen, beschäftigt sich der Autor mit naturräumlichen Gegebenheiten, mit der Land- und Viehwirtschaft. Der letzte Teil der Arbeit beschreibt die sozio-politische Organisation der Baluc, die Verwandschaft, politische Entscheidungsfindungen und Ethnizität umfasst.

Zumeist handelt es sich bei der deutschen Gastarbeiterliteratur um volkswirtschaftliches, soziologisches und pädagogisches Schrifttum. Der Beitrag der Ethnologie hat bisher geringen Umfang, jedoch wächst das Interesse der Ethnologen an Migrationsproblemen, speziell der Gastarbeiterfamilie, stark. Der Einarbeitung von Ethnologen in der Gastarbeiter-Literatur will diese Bibliographie dienen, indem sie ein Thema herausgreift, das in das Kerngebiet ihres Faches gehört: die Familie.

Die traditionelle jüdische Gemeinschaft, deren Schönheitsideal hier untersucht wird, existierte in dieser Form nur bis zum ersten Weltkrieg. In dessen Verlauf und dann besonders durch den Holocaust im zweiten Weltkrieg wurden die "Stetl", die osteuropäischen jüdischen Kleinstädte zerstört - damit geriet auch die traditionelle jüdische Kultur in Vergessenheit. Auf der Grundlage von historischem Folklorematerial, Memoiren, Reiseliteratur und eigenen Befragungen betrachtet die Autorin nicht nur körperliche Schönheitsideale, Kleidung und Schmuck, sondern auch moralische Werte bei Männern und Frauen der "Stetl"-Gemeinschaft.

Viele Entwicklungsländer sind durch die ethnische Heterogenität ihrer Bewohner charakterisiert, die ihren Ausdruck auch in den wechselseitigen Ansichten der Gruppen übereinander findet. In der ethnologischen und sozialpsychologischen Theorie gibt es eine Reihe von Hypothesen über die Inhalte und Entstehung solcher interethnischer Einstellungen. Das Buch behandelt dieses Thema durch eine Fallstudie aus Indonesien.