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Erfahrungsberichte

Studierende und Absolventen im Fach Ethnologie werden in ihrem Umfeld nicht selten mit der Frage "Und, was macht man dann damit?" gelöchert. Die eine Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Einen spezifischen Beruf erlernt man durch das Ethnologie-Studium und die meisten anderen Geistes- und Sozialwissenschaften nicht. Dafür bekommen Studierende neue Perspektiven auf die Welt und viele Schlüsselkompetenzen, die in verschiedensten Bereichen nützlich sein können.

Lernen Sie einige unserer aktuellen Studierenden und Absolventen des Instituts kennen und entdecken Sie die vielfältigen Möglichkeiten, die ein Studium der Ethnologie bieten.

Nach ein paar Berufsjahren habe ich mich glücklicherweise dazu entschieden Ethnologie und Geographie im 2-Fach-Verbund hier an der Universität zu Köln zu studieren. Im Bachelor habe ich dann schnell Grundlagen und Methodiken an die Hand geführt bekommen und konnte mich sehr frei damit in verschiedenen Themenbereichen ausprobieren.

Anna Krämer (rechts im Bild) im indischen Dorf Kondapalli.
Anna Krämer (rechts im Bild) im indischen Dorf Kondapalli.

Ich fühle mich hier am Kölner Institut sehr gut aufgehoben und werde gefördert, wo immer ich Energie reinstecke. Ich schätze hier sehr die Autonomie, mein Studium zu gestalten und ebenso die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Dozierenden. Daher habe ich mich auch dafür entschieden, mit einem Master (ebenfalls mit der Kombination Geographie) anzuschließen. Gemischte Seminare (Bachelor mit Master und Master mit Promovierenden) lassen gegenseitiges Zuhören und Vernetzen zu. Außerdem kann ich mich durch die Modulstruktur wunderbar im Themenbereich Mensch-Umwelt-Beziehungen spezialisieren.

Ich bin sehr zufrieden mit den (anrechenbaren!) Zusatzzertifikaten, wie zum Beispiel dem Research Master von a.r.t.e.s. oder das Gender Studies-Zertifikat, welche die Universität zu Köln für die philosophische Fakultät anbietet.

Im Laufe der Zeit begreife ich immer mehr die Vielfalt des Faches und verstehe, was Ethnologie für mich bedeutet und wie ich damit arbeiten kann.

Anna Krämer
2-Fach Master: Ethnologie und Geographie

Wenn 'Gegebenheiten' ihren kulturrelativen Charakter offenbaren

Mit dem Vorhaben einen Erfahrungsbericht zu unserem Studiengang der Ethnologie hier an der Uni Köln zu schreiben, begann ich mich zu fragen, wie ich ein authentisches Bild wiedergeben könnte, das Interessierten in ihrer Erwägung weiterhelfen könnte – und schon kamen mir die Erfahrungen aus dem Studium entgegen: Ist nicht ebendiese Authentizität ein Konstrukt aus kultureller Fremd- und Selbstzuschreibung?

Damit sind wir direkt mitten in dem, was meiner Meinung nach das Studium der Ethnologie so besonders macht: die Öffnung des kulturellen Sichtfeldes für Perspektiven, die vermeintliche Gegebenheiten unserer Gesellschaft in Hinblick auf andere kulturelle Kontexte als nicht universell entpuppen. Das Studium aber nimmt Euch nicht nur den ethnozentrischen Blick, sondern bietet zugleich eine umfassende Möglichkeit der Analyse gesamtgesellschaftlicher Organisationsprozesse. Sämtliche Aspekte sozialer Systeme, ob Wirtschaft, Politik, Recht, Institutionen oder Ökologie, werden unter einem gemeinsamen Begriff in Beziehung gesetzt: Dem Begriff der Kultur – welcher im Studium zugleich einer umfassenden Kritik unterzogen wird.

Das Studium an der Uni Köln bietet Euch darüber hinaus eine große Bandbreite an Regionalseminaren und betrachtet auch theoretisch neuere Ansätze der Ethnologie. Hinsichtlich der fortschreitenden Globalisierung erscheint mir eine interkulturelle Herangehensweise in anderen Wissensbereichen nicht nur als eine Bereicherung, sondern eine Notwendigkeit für den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs.

Johannes Gerk
2-Fach Bachelor: Ethnologie und Philosophie

Am Ethnologiestudium gefällt mir, dass es um komplexe kulturelle und soziale Zusammenhänge in der wirklichen Welt geht – man hat die Möglichkeit, den akademischen Elfenbeinturm zu verlassen und sich auf unterschiedlichste Weise mit den vielfältigen Lebenswelten der Menschen zu befassen. Wer sich dafür interessiert, wie die Dinge zusammenhängen und andere Menschen die Welt verstehen und begreifen, ist in der Ethnologie genau richtig.

Besonders spannend finde ich, dass die Ethnologie thematisch und auch methodisch facettenreich ist. Von Sozial- und Wirtschaftsethnologie bis hin zu Medien- und Musikethnologie ist das Angebot an Forschungsgebieten groß. Dies spiegelt sich auch in den vom ethnologischen Institut angebotenen Seminaren wieder. Die Auswahl an Themen und an auf bestimmte Regionen bezogene Seminare ist bunt und vielschichtig. Am meisten hat mir die große Freiheit gefallen selbst zu entscheiden, mit welchen Themenbereichen ich mich intensiv wissenschaftlich befassen möchte.

Moira Marklewitz
2-Fach Bachelor: Ethnologie und Philosophie

Being part of the Culture and Environment in Africa (CEA) program at the University of Cologne was a transformative experience. Before joining the program, I was in the middle of a career debate on what I wanted my future to look like.

I joined the CEA because its coverage of the human-environment relationships aligned with my interests in research, community engagement and sharing ideas. Moreover, understanding the nexus between culture, power and environment is relevant especially in a rapidly changing world. The diversity of students in the program enriches discussions from first hand experiences and different world views. Not only is the program organized in such a way that it was easy for an international student like me to join and participate, its alumni network provides a platform for continuous interaction and information sharing.

The modular structure of the courses provided me with the flexibility to choose and concentrate on specific interests within the program. It also provided me with the space to engage in other activities of interest outside the studies.

The program equips one with a range of social science skills that provide a wide range of opportunities for carrier growth. I believe I could not have received a better foundation to continue pursuing a career in research, development and community engagement from elsewhere than from the CEA program.

I am currently in my last year of my PhD studies, and still in Cologne. The city gives the feeling of a ‘home away from home’. Cologne is a melting point of multiculturalism, creativity and fun. If you are a lover of co-curricular activities like arts, theater, sports, music and cultural experiences, Cologne offers all that and much more.

Innocent Mwaka
Alumni M.A. Culture and Environment in Africa

Das Studium der Ethnologie stellt für mich in mehrerer Hinsicht eine Bereicherung dar: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit kulturellen Ausdrucksformen sowie den zugrundeliegenden Strukturen, Prozessen und Bedeutungen basiert zunächst auf der Anerkennung ihrer Diversität. Sie lädt dazu ein, eigene Denk- und Verhaltensmuster zu relativieren, um sowohl einen bewussten Umgang mit dem persönlichen Erkenntnisinteresse zu ermöglichen als auch unhinterfragtes oder oberflächlich behandeltes Wissen kritisch zu reflektieren. Besonders förderlich finde ich dabei die Verknüpfung von fachspezifischen Ansätzen und interdisziplinären Diskursen, die stetig neue Perspektiven eröffnet und so dazu beiträgt, Zusammenhänge dezidiert herzustellen und Fragestellungen tiefergehend zu ergründen.

Eine ganzheitliche, nicht auf einzelne Teilbereiche beschränkte Perspektive, wie sie die Ethnologie einnimmt, ist zudem für den persönlichen Erkenntnisgewinn meines Erachtens unabdingbar.

An unserem Institut im Konkreten gefällt mir insbesondere die große thematische Bandbreite der Seminare, die sich nicht nur an der regionalen Schwerpunktsetzung orientiert. In diesem Rahmen werden des Öfteren neben dem spezifischen Gegenstand auch allgemeine methodologische und wissenschaftstheoretische Aspekte beleuchtet, was ich persönlich sehr spannend finde.  Nicht zuletzt ist der offene Austausch zwischen Studierenden und Dozierenden inner- und außerhalb der Lehre ein hilfreicher Bestandteil der Studienbedingungen vor Ort.

Tao Villarroya Theisen
2-Fach Bachelor: Ethnologie und Linguistik & Phonetik

Nach meiner Feldforschung im Norden Namibias habe ich mich auf qualitative Marktforschung spezialisiert und war mehr als zehn Jahre lang Projektleiterin im rheingold Institut in Köln. Damals haben mich die Erforschung der Alltags- und Konsumkultur im eigenen kulturellen Umfeld sowie der hohe Anwendungsbezug in der Marktforschung besonders gereizt. Danach habe ich mich in das Berufsfeld Unternehmensberatung eingearbeitet und leite seit 2009 gemeinsam mit meinem Mann die p4d GmbH in Bonn. Wir beraten, moderieren und coachen Kunden aus dem Bildungsbereich, der Entwicklungszusammenarbeit und der Wirtschaft. Forschung und Evaluation sind ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Ich finde dabei sehr spannend unter dem Stichwort Arbeitskultur die Gestaltung von Beziehungen zwischen Menschen und Teams aktiv zu erforschen und zu begleiten.

Die Ethnologie mit ihrem Fokus auf Gruppenhandeln ist einer der theoretischen Pfeiler meiner Arbeit, denn wir arbeiten mit Gruppen – Teams, Abteilungen, der ganzen Organisation- bzw. mit Führungskräften, die Gruppen leiten. Der 'ethnologische Blick' hilft mir, den kulturellen Aspekt des gemeinsamen Arbeits- und Führungshandelns unserer Kunden herauszuarbeiten und diese für das Allgemeine und das Spezifische ihrer jeweiligen Arbeitskultur zu sensibilisieren. Und die Erkenntnis, dass Arbeits- und Organisationskultur komplex und zugleich gestaltbar ist, hilft unseren Kunden zu neuen – und v.a. zu gemeinsam geteilten – Lösungen für ihre Fragen zu kommen.  

Berufsbegleitende Weiterbildungen im Bereich Marktforschung, Coaching, Führung und Konfliktmediation waren wichtige methodische Ergänzungen meines Ethnologie-Studiums.

Dr. Brigitte Schwinge
Alumni