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E-Dissertationen

This thesis deals with the question of how Tanzania’s land (1999) and water (2002) reforms have impacted local dynamics of negotiating access to, and control over, land and water in Endamarariek, Karatu District. I have carried out 12 months of ethnographic fieldwork in 2009 and 2010, during which I examined those dynamics of negotiation. The main methodology used was the extended case method, which I have complemented with participant observation, interviews, ethnographic census, and wealth ranking. In order to place my results in a historical perspective, I also examined the history of resource control and access in the study area. The overall aim of my research has been to contribute to an understanding of the impact of formalisation and decentralisation on resource access and control. The Tanzanian land and water reforms were designed within the framework of the Millennium Development Goals and were aimed at eradicating poverty and preventing conflicts over land. With my research I have brought to light the discrepancies between the intentions of the policies and their achieved results. Formalisation of land and water rights has not reduced poverty and conflicts while in some cases even worsening them. I argue that the failure of the reforms to reduce poverty attests to the fact that the international development agenda does not always resonate with the realities existing at the local level. The situation at the local level is characterised by the exisistence of various social fields with their own forums, rules, and laws. The ignorance of those fields leads to outcomes where practices from the customary fields inhibit the implementation of the law, statutory laws are overruled by forum shopping, broad land loss takes place, conflicts become worse, and final solutions are found only on a customary field. In the fields of law and political science, conflict resolution and access to resources are approached by statutory law and administration. In accordance with this perspective, the methodology of these fields has been largely grounded upon a narrow frame, with research based only on official texts and interviews with representatives of statutory bodies. By examining only the statutory order, a one-sided and incomplete picture of local realities emerges. This work has strived to provide a broader and more balanced picture using the methodologies of legal anthropology. I have used legal anthropology and institutional theory as a framework for investigating the strategies that actors use in negotiating, gaining, and maintaining access to resources, both in daily life and in conflicts. Furthermore, I have used the concept of legal pluralism as an analytical frame to understand the diversity and the multifaceted nature of the rules applied in resource negotiation at the local level. The theory of legal pluralism has enriched this work by calling attention to the co- existence and interaction of multiple rules and laws. For example, the idea of co-existing laws in a community suggests that actors' claims of legitimacy can be easily assigned to a specific law; for example, a village chairman may derive legitimacy from statutory law. However, my findings show that in resource distribution, the legitimacy and authority of a person to settle a conflict does not necessarily derive from the official position he/she holds at the moment, but should rather be understood as an accumulation of experiences rooted in different positions in customary law, church, projects, and state offices—all of which work together to form reputation and acknowledgement in the community. In other words, people’s power to negotiate resource access and settle conflicts is by and large related to their social capital within society.

Dynamics of Law, Culture and Society in the Organisation of Land and Water Distribution among Rural Farmers in Karatu District/Northern Tanzania.
Köln: Institut für Ethnologie, Diss., 2017. 

Integrationschancen und Sozialstruktur: Die Netzwerke von Immigranten aus Taiwan Diese Dissertation befaßt sich mit dem sozialen Umfeld von wirtschaftlich gut situierten Einwanderern chinesischer und taiwanesischer Abstammung in den zentral geplanten Neubaugebieten von Orange County, Kalifornien. Untersucht wird, welche Arten von sozialen Beziehungen in der spezifischen räumlichen Umgebung, den homogenen Neubausiedlungen, existieren und welche Faktoren die sozialen Strukturen von Einwanderern beeinflußen. Darauf aufbauend wird verglichen, wie sich Beziehungen, die Einwanderer aus Taiwan in Südkalifornien aufbauen und pflegen von den sozialen Strukturen in ihrem Heimatland unterscheiden und wie sich diese Strukturen im historischen Verlauf der Geschichte chinesischer Einwanderer in den USA verändert haben. Die Auswertung von 60 strukturierten Interviews, 30 halbstrukturierten Interviews und zahlreichen informellen Interviews und Feldnotizen zur teilnehmenden Beobachtung während des Besuchs von Gemeinschaftsorganisationen und Veranstaltungen zeigen, daß die Mehrzahl der chinesischen Einwanderer wirtschaftlich unabhängig ist. Sie konzentrieren sich nach Ankunft in den USA auf die Beziehung zu ehemaligen Klassenkameraden und nicht auf die traditionell üblichen Hilfbeziehungen in Verwandtschaftskreisen. Einen Großteil der notwendigen Informationen für die Bewältigung des Alltags in der neuen Umgebung beziehen die Einwanderer von Tageszeitungen, Fernsehstationen und Gelben Seiten (Nachschlagewerken), die spezifisch für den chinesichen Markt erstellt wurden (in chinesischer Sprache). Soziale Beziehungen sind selten wirtschaftliche Hilfsbeziehungen, sondern stattdessen Bekanntschaften mit dem Zweck der gemeinsamen Gestaltung der Freizeit. Die Zusammensetzung der persönlichen Netzwerke ist nicht stabil. Viele Einwanderer wechseln Bezugspersonen und Intensität der Beziehung in Abhängigkeit von ihren Freizeitinteressen. In der Region Orange County gibt es zahlreiche Organisationen, die ausschließlich chinesische Mitgliedschaft aufweisen. Der Zweck dieser Organisationen reicht von Sport- und Musikvereinigungen zu religiösen Gruppen und Berufsvertretungen (u.a. Handelskammern). Die Organisationen sind untereinander nur schwach verbunden. Individuelle Einwanderer sind nur in ein bis zwei Organisationen gleichzeitig aktiv. Trotz durchschnittlich guter Englischkenntnisse von seiten der Einwanderer werden nicht-chinesische Freizeitangebote selten wahrgenommen. Hinzu kommt, daß das Gebiet Orange County keine städtischen Zentren hat. Es gibt Stadtgrenzen, die adminstrative Bedeutung haben, räumlich jedoch nicht zu unterscheiden sind. Die Wohn- Produktions und Einkaufsgebiete der einzelnen Städte gehen ineinander über. Innerhalb dieses Raumes gibt es keine Siedlungsgebiete mit starker Konzentration chinesischer Einwohner. Die Einwanderer bevorzugen brandneue Häuser in extensiven Neubausiedlungen. Aber optisch kann man keine designierte "Chinatown" erkennen. Insgesamt bestehen wenig Einschränkungen in der Sozialstruktur für eine Integration in die Gesamtgesellschaft. Das dennoch geringe Ausmaß an Interaktionen zwischen Mitgliedern verschiedener ethnischer Gruppen, bzw. einer ethnischen Gruppe und der Gesamtgesellschaft, ist auf das Verhalten von Immigranten und Nichtimmigranten zurückzuführen, die sich in ihrer Freizeit vorzugsweise mit anderen Menschen treffen, die einen ähnlichen kulturellen Hintergrund wie sie selbst teilen. Die Umgebung von Orange County bietet zahlreiche Angebote solche Kontakte mit Menschen der gleichen ethnischen Herkunft zu knüpfen. Es gibt deshalb wenige Gelegenheiten und wenige Notwendigkeiten, sich in anderen sozialen Kreisen nach Bekanntschaften umzuschauen.

The Structure of Constraints: Social Networks of Immigrants from Taiwan.
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2003.

Diese Arbeit analysiert mit einem akteurszentrierten Ansatz verschiedene risikominimierende Strategien einer ländlichen Bevölkerung im Richtersveld, Nordwesten der Provinz Northern Cape, Südafrika. Hier leben Nama und andere Gruppen, die während der Apartheid als "Coloured" klassifiziert wurden und heute gemeinsam die Richtersveld-Gemeinschaft bilden. Das Richtersveld ist eine aride Region, in der Winter- und Sommerregengebiet aufeinander treffen und Kleinviehhaltung die einzige Form der landwirtschaftlichen Nutzung ist. Diamantenminen in der Region stellen die wichtigste, aber angesichts drohender Minenschließungen eine risikoreiche, Einkommensquelle dar, ferner leisten Viehwirtschaft und staatliche Zuwendungen einen entscheidenden Beitrag zum Lebensunterhalt. Zunächst werden der Forschungsstand und die theoretischen Grundlagen ausgeführt und die Methodik erläutert. Es folgt ein Überblick über die Geschichte der Region und über aktuelle wirtschaftliche Optionen. Haushaltsökonomie, Viehwirtschaft, Kooperation zwischen Individuen verschiedener Haushalte und der Einsatz von Identitäten bilden im Anschluss vier Schwerpunkte der Analyse von risikominimierenden Strategien.  (1) Haushalte, die im Richtersveld stark auf die Kernfamilie konzentriert sind, eignen sich als Untersuchungseinheit. Hier werden wirtschaftliche Aktivitäten diversifiziert und Einkommen aus Lohnarbeit und Viehwirtschaft zusammengelegt. Institutionelle Arrangements regeln das Poolen und Redistribuieren von Ressourcen. (2) Die Kleinviehhaltung auf kommunalem Land wird in einem zweiten Kapitel untersucht, wobei die zahlreichen Strategien der Risikominimierung (wie etwa saisonale Mobilität) dargestellt werden. (3) Der dritte große Abschnitt widmet sich der Kooperation zwischen Haushalten. Mit Hilfe von netzwerkanalytischen Verfahren und der Auswertung qualitativer Interviews konnte festgestellt werden, welche Hilfsnetzwerke zwischen Haushalten bestehen. Sie werden häufig zu nahen Verwandten unterhalten. (4) Auf einer übergeordneten Ebene wurde der strategische Einsatz von ethnischen und regionalen Identitäten als eine weitere Strategie identifiziert, mit der die Bewohner des Richtersvelds versuchen, im "neuen" Südafrika Ressourcen (wie Land) zu sichern. Diese gruppenbasierten Strategien wurden bisher in der Risikoforschung nicht berücksichtigt. Die empirischen Daten werden in Beziehung zu anderen Untersuchungen im südlichen Afrika gesetzt und historisch kontextualisiert. Abschließend werden Vulnerabilitäts-Parameter vorgeschlagen, die auch eine Gültigkeit über das Richtersveld hinaus besitzen. Sie leisten einen Beitrag zur Frage, wie die Schadensanfälligkeit von Menschen analysiert werden kann, die in einer risikoreicher Umwelt leben.  Die Arbeit beruht auf einer 21-monatigen ethnologischen Feldforschung, die zwischen 1999 und 2003 durchgeführt wurde. Es wurden quantitative sowie qualitative Daten erhoben (ein Haushaltssurvey mit 100 zufällig ausgewählten Informanten, 42 egozentrierte Netzwerke, 22 Budgetinterviews, Genealogien, Lebensgeschichten und zahlreiche Leitfaden und offene Interviews).

Haushaltsökonomie, soziale Netzwerke und Identität. Risikominimierende Strategien von Pastoralisten und Lohnarbeitern im Richtersveld, Südafrika.
Köln, Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2004.

Die Khwe sind Zentralkhoisan-Sprecher und zählen zu den als (ehemalige) Jäger und Sammler klassifizierten, im südlichen Afrika "San" oder "Buschleute" genannten Bevölkerungsgruppen. Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ihres Lebens haben sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts mehrfach entscheidend verändert. Die Arbeit geht der Frage nach, wie Khwe in unterschiedlichen sozialen Positionen und Kontexten angesichts von Veränderungen, die diverse moralische Dilemmata und ambivalente Zukunftsaussichten beinhalten, ihre sozialen Beziehungen gestalten, aufrecht erhalten, transformieren oder neu definieren. Außerdem stellt sich die Frage, wie sozialer Wandel im Rahmen einer Kurzzeitstudie überhaupt festgestellt werden kann. --- In der Einleitung wird der Forschungsstand als Resultat der Interessen anthropologischer Forschungstraditionen und der politischen Geschichte Namibias erklärt. Ein Überblick über Überlegungen zu Kontinuität und Wandel sozialer Institutionen in Regionalvergleich und Jäger/Sammler-Forschung zeigt, dass beide Forschungstraditionen wegen ihrer Konzentration auf die Suche nach Gemeinsamkeiten und der stillschweigenden Gleichsetzung von Gemeinsamkeiten mit Kontinuitäten sozialen Wandel entweder unbeachtet lassen oder als einfache Folge von Anpassungsdruck begreifen, also dem Wirkungsgefüge von sozialen Normen und individuellen Strategien zu wenig Beachtung schenken. Der vorgestellte Institutionenansatz sucht dagegen, gesellschaftlichen Wandel unabhängig vom Gesellschaftstyp zu erklären, und bietet hierfür drei konkrete Mechanismen an: Koordination, Vertragsselektion und Einsatz von Verhandlungsmacht. --- Im Hauptteil der Arbeit werden vier zentrale soziale Felder betrachtet: Siedlungsstrukturen, familäre Strukturen, Gruppenbildung und politische Organisation. In der Darstellung erfolgt eine analytische Trennung von Konzepten/Verhaltensnormen auf der einen und Strategien/sozialer Praxis auf der anderen Seite. Sie hat zum Ziel, das Wirkungsgefüge von beiden im diachronen Prozess besser zu verstehen. --- Die Beziehung zwischen Konzepten/Normen und Strategien/Praxis erwies sich als dreigestalt: Konzepte/Normen stellen den Rahmen, der dem Handeln Sinn und Richtung gibt sowie Motivationen, Interaktionen und strategisches Verhalten strukturiert. Sie sind das argumentative moralische Werkzeug für die Beziehungsgestaltung. Und sie sind das Produkt individuellen Verhaltens einschließlich des Übertretens vorhandener Normen. Als Prozesse sozialen Wandels wurden Diversifizierung, Anpassung, Kreolisierung, Krise, Konformisierung, Dissoziation, Transformationen und Widerstand identifiziert. In allen diesen Prozessen erwiesen sich Kontinuität und Wandel als komplementär und einander gegenseitig bewirkend. Der Staat zeigte sich sowohl als Bezugspunkt für das Streben nach Macht, die Auseinandersetzung um Ressourcen und den Widerstand gegen Marginalisierung als auch wesentlich aus Erinnerungen, Erfahrungen, Befürchtungen und Ansprüchen der Khwe konstitutiert. Insbesondere im Zusammenhang mit aktuellen politischen Entwicklungen wurde deutlich, welch ambivalentes Erbe die Khwe als ehemalige Klienten von Bantu-Sprechern, spätere Günstlinge der Kolonialmacht, Soldaten der Kolonialarmee, Bewohner von West Caprivi mit seiner exponierten Grenzlage und Angehörige einer von internationaler Seite unterstützten indigenen Minderheit im Post-Apartheid Namibia haben. --- Die Arbeit beruht auf einer insgesamt 15-monatigen Feldforschung zwischen 1998 und 2003. Viele der vorgestellten Daten zur Geschichte und zur Ethnographie der sozialen Organisation der Khwe waren bisher nie Gegenstand wissenschaftlicher Publikationen.

Prozesse sozialen Wandels vor dem Hintergrund staatlicher Eingriffe. Eine Fallstudie zu den Khwe in West Caprivi/Namibia.
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2005.

Die aktuelle Trinkwasserpolitik für ländliche Gebiete Afrikas setzt auf das Engagement der Wassernutzer in der Überzeugung, dass lokales Ressourcenmanagement zu mehr Entscheidungsmacht der Nutzer, besserem Zugang und zu größerer Nachhaltigkeit in der Wasserversorgung führt. In Ghana wurden im Rahmen des National Community Water and Sanitation Program (NCWSP) alle Handpumpen und viele kleinstädtische Leitungssysteme aus dem staatseigenen Wasserversorgungsbetrieb Ghana Water Company Limited (GWCL) ausgegliedert und in kommunales Eigentum umgewandelt. Seit Mitte der 1990er Jahre dominiert lokales kommunales Management diesen Bereich des Trinkwassersektors. Der ländlich-kleinstädtische Subsektor deckt alle Orte bis zu 50.000 Einwohnern ab. Er fällt unter die Verantwortlichkeit einer neu entstandenen staatlichen Community Water and Sanitation Agency (CWSA), welche die Sektorpolitik entwirft, technische und institutionelle Standards festsetzt, Wasserprojekte plant und deren Ausführung begleitet und beobachtet. Entgegen der Annahme, dass kommunales Management das zentralisierte Managementsystem der GWCL ablöste, haben Wassernutzergruppen vor und während des Eingreifens staatlicher Autorität die Wasserversorgung und Verteilung von natürlichen und verbesserten Wasserquellen auf lokaler Ebene (mit-)organisiert und ein lokales Regelwerk geschaffen. Lokales Wassermanagement ist also nicht nur politische Innovation, sondern gleichzeitig eine althergebrachte Praxis, die jedoch auch historischen Wandel unterliegt. Obwohl beim kommunalen Management von Handpumpen und kleinstädtischen Leitungssystemen die gleiche Politik hinsichtlich der Versorgung und des Managements angewendet wird, scheint sich das kommunale Management ersterer besser zu bewähren. Da bisher eine detaillierte Untersuchung zum Wandel lokalen Wassermanagements und institutionellen Veränderungen beim Wechsel der Wasserversorgung von Handpumpen zu Leitungssystemen in Ghana fehlt, können bisher wenig Aussagen darüber getroffen werden, warum dieselbe Politik zu unterschiedlichen praktischen Ergebnissen führt. Das Anliegen der Arbeit war die Sammlung empirischer Daten zur Bildung und Konzeption von Wassernutzergruppen von natürlichen und verbesserten Wasserquellen. Lokale Institutionen für lokales Haushaltswassermanagement waren dabei von besonderem Interesse, ebenso wie deren Wandel unter dem nationalen Trinkwasserprogramm. Dazu wurden Ereignisse, Prozesse und Ergebnisse der Trinkwasserpolitik untersucht, wie sie unter lokalen Wassernutzergruppen zu beobachten sind. Darüber hinaus ging es um die Identifizierung lokaler Interessen im Zusammenhang eines Entwickungsprojektes zur kleinstädtischen Wasserversorgung. In diesem Kontext wurde das Verhältnis von lokalen Akteuren, der Distriktverwaltung und der CWSA untersucht. Die zentralen Fragen der Arbeit lauten wie folgt: (1) Welcher sozioökonomische Wandel vollzieht sich im Untersuchungsort, welche Rolle spielt Haushaltswasser als Ressource für die lokale livelihood, und (2) welche lokalen Wasserrechte gibt es und wie haben sie sich im Kontext des nationalen Trinkwasserprogramms verändert? Welchen Einfluss haben Wasserechte zudem auf die Praxis der Wasserverteilung? Die vorliegende Arbeit überdenkt kritisch die dominierende Wahrnehmung von lokalen Wassernutzern und Wassernutzung. Dazu wurden theoretische Konzepte aus der Ethnologie (institutioneller Wandel) und der Rechtsethnologie (Wasserrechte, Rechtspluralismus) herangezogen. Desweiteren wurden Aspekte aus dem Bereich der Politischen Ökologie und Umweltgeschichte in der Arbeit berücksichtigt, was auch dem Kontext der Forschung innerhalb des GLOWA-Volta Projektes zu verdanken war. Dieses untersucht Auswirkungen von Klimawandel auf den Wasserkreislauf im westafrikanischen Volta Becken. Der Anspruch war, das lokale Management von Haushaltswasser hinsichtlich seiner Einbettung in eine spezifische ökologische und sozio-politische Umwelt zu betrachten, ohne eine historische Sichtweise zu vernachlässigen.

"Now you have a new pump, you have to manage it." Household water management, water rights and institutional change in Northern Ghana.
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2007.

In vielen westafrikanischen Ländern wirtschaften Frauen und Männer hochgradig individualisiert. Die vorliegende Studie zu sozialem und wirtschaftlichem Handeln in Benin belegt, dass die Akkumulation von Geld und Besitz auch innerhalb von Haushalten getrennt verläuft, was innerhäusliche Wohlstandsunterschiede begünstigt. Die Trennung von (Wissen um) Geld und Besitz vollzieht sich innerhalb einer patrifokal ausgerichteten Sozialstruktur. Sie ist für Frauen und Männer mit einem unterschiedlichen Zugang zu Ressourcen (z. B. Land) und verschiedenen Kapitalsorten (z. B. Geld) verbunden.  Die geschlechtsspezifische Strukturierung sozialer und ökonomischer Felder drückt sich unter anderem in Pflichten, Rechten und Aufgaben aus, die für Frauen und Männer unterschiedliche Dispositionen für die Praxis schaffen. Die Untersuchung dieser Praxis erfordert einen akteurszentrierten Ansatz, der seine Umsetzung in enger Anlehnung an Pierre Bourdieus Theorie der sozialen Praxis findet. Dies eröffnet neue Perspektiven auf ein Verständnis von Bedürfnissen, Handlungsoptionen und Strategien der Existenzsicherung. Warum weiß auch innerhalb von Haushalten niemand so recht, wie viel Geld der oder die andere verdient? Als meist genannter Grund trat die Angst vor Neid und Missgunst hervor. Sie gelten als Vorboten für den Einsatz magisch-okkulter Praktiken als Konfliktlösungsstrategie. Unter anderem wird nachgewiesen, dass alltägliche Investitionen in magisch-okkulte Praktiken wie Glücks-, Schutz- und Schadenszauberei nicht nur sehr empfindlich in den Finanzhaushalt von Individuen und damit in die Existenzsicherung eingreifen. Darüber hinaus zeigt sich, dass hinter diesen Investitionen komplexe soziale und ökonomische Interessen stehen. Insgesamt treten Individualität, Reziprozität und Nivellierung als zentrale Funktionsweisen sozialer, ökonomischer und magisch-religiöser Felder hervor. Geschlecht, Magie und Geld bedingen sich in der sozialen Praxis gegenseitig. Sie verhalten sich relational zueinander und tragen zur Genese sozial eingebetteter und okkulter Ökonomien bei, deren Textur in Analysen zur Vulnerabilität und Existenzsicherung nicht nur für Benin dringende Berücksichtigung erfahren sollte, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit für weite Teile Westafrikas. Die Arbeit beruht auf einer 19-monatigen Feldforschung in Benin (2000-2004). Das qualitative und quantitative Datenmaterial setzt sich zusammen aus zahlreichen Interviews, teilnehmender Beobachtung, Mental Mapping, einem Haushaltssurvey, Lebensgeschichten, Baumwollstudien, Budgetstudien zu Einnahmen, Ausgaben und Konsumverhalten sowie einem statistisch repräsentativen Survey zur Existenzsicherung mit 839 Personen aus acht Gemeinden im ländlichen und urbanen Zentralbenin (22.260 km2).

Geschlecht, Magie und Geld. Sozial eingebettete und okkulte Ökonomien in Benin, Westafrika.
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2006.

Die rezente Risikoforschung hat wesentliche Erkenntnisse zu Anpassungsleistungen von Individuen und mikroökonomische Dynamiken innerhalb von Haushalten in risikoreichen Umwelten beigetragen. Sie hat gezeigt, dass individuelle Vulnerabilität von Individuen und Haushalten nicht von einzelnen,  sondern von multiplen Faktoren abhängig ist. Während zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen  zu den Einflüssen ökologischer Krisen auf Haushalte vorliegen, wurde mikroökonomischen  Auswirkungen politischer Konflikte auf Haushalte, Konfliktursachen auf Haushaltsebene und konkreten  Handlungsmustern und Adaptationsleistungen von Haushalten in Gewaltkontexten bislang wenig  Aufmerksamkeit zuteil. Die hier vorliegende Dissertation adressiert diese Forschungslücke und  thematisiert Ressourcenzugänge als Grundlage ökonomischer Strategien vor dem Hintergrund lokaler  und nationaler politischer Strukturen und aus der Perspektive sozialer Beziehungen innerhalb und  zwischen Haushalten als wesentliche, über Vulnerabilität bestimmende Faktoren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Tama, eine Bevölkerungsgruppe im Nordosten des Tschads. Am südlichen Rand der Sahara  unter den ökologischen Bedingungen der Sahelzone lebend und Repressionen politisch und  wirtschaftlich führender Eliten ausgeliefert, sind Tama-Haushalte mit mannigfaltigen Gefahren und  Risiken in ihrer Umwelt konfrontiert. Die der Arbeit zugrunde liegenden Daten wurden in mehreren  Feldforschungsaufenthalten über 18 Monate zwischen 2005 und 2008 zusammengetragen. In dieser  Zeit kam es zu mehreren Episoden schwerer bewaffneter Konflikte im Tschad, unter deren  Auswirkungen auch die Tama litten oder an denen sie selbst aktiv beteiligt waren. Basierend auf einer  haushaltsökonomischen Analyse liefert die Untersuchung wissenschaftliche Erkenntnisse zu  mikroökonomischen Dynamiken innerhalb von Haushalten vor dem Hintergrund dieser und latent  andauernder gewaltsamer Konflikte um Ressourcenzugänge und politische Partizipation. Anhand der  Betrachtung wirtschaftlicher Optionen und risikominimierender Strategien werden konkrete Ursachen und Wechselwirkungen bewaffneter Konflikte deutlich. So kann auch gezeigt werden, dass die aktive  Beteiligung der Tama im gewaltsamen politischen Widerstand nicht zuletzt als eine Folge des  Scheiterns mannigfaltiger Anpassungsleistungen von Haushalten zu verstehen ist. Die Studie trägt  wesentlich zur sozialwissenschaftlichen Erschließung der immer noch wenig beforschten  Lebensbedingungen im zentralen Sahel bei. Vor dem Hintergrund der besonderen  Forschungsbedingungen setzt die Arbeit zudem einen Schwerpunkt in der wissenschaftlichen und  persönlichen Auseinandersetzung mit methodologischen Herausforderungen von Forschung in  Gewaltkontexten und hoch sensiblen, politisch instabilen Räumen.

Überleben an Grenzen. Ressourcenkonflikte und Risikomanagement im Sahel.
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2014.

The Maasai/Kikuyu agro-pastoral borderlands of Maiella and Enoosupukia, located in the hinterlands of Lake Naivasha’s agro-industrial hub, are particularly notorious in the history of ethnicised violence in the Kenya’s Rift Valley. In October 1993, an organised assault perpetrated by hundreds of Maasai vigilantes, with the assistance of game wardens and administration police, killed more than 20 farmers of Kikuyu descent. Consequently, thousands of migrant farmers were violently evicted from Enoosupukia at the instigation of leading local politicians. Nowadays, however, intercommunity relations are surprisingly peaceful and the cooperative use of natural resources is the rule rather than the exception. There seems to be a form of reorganization. Violence seems to be contained and the local economy has since recovered. This does not mean that there is no conflict, but people seem to have the facility to solve them peacefully. How did formerly violent conflicts develop into peaceful relations? How did competition turn into cooperation, facilitating changing land use? This dissertation explores the value of cross-cutting ties and local institutions in peaceful relationships and the non-violent resolution of conflicts across previously violently contested community boundaries. It mainly relies on ethnographic data collected between 2014 and 2015. The discussion therefore builds on several theoretical approaches in anthropology and the social sciences – that is, violent conflicts, cross-cutting ties and conflicting loyalties, joking relationships, peace and nonviolence, and institutions, in order to understand shared spaces that are experiencing fairly rapid social and economic changes, and characterised by conflict and coexistence. In the researched communities, cross-cutting ties and the split allegiances associated with them result from intermarriages, land transactions, trade, and friendship. By institutions, I refer to local peace committees, an attempt to standardise an aspect of customary law, and Nyumba Kumi, a strategy of anchoring community policing at the household level. In 2010, the state “implanted” these grassroots-level institutions and conferred on them the rights to handle specific conflicts and to prevent crime. I argue that the studied groups utilise diverse networks of relationships as adaptive responses to landlessness, poverty, and socio-political dynamics at the local level. Material and non-material exchanges and transfers accompany these social and economic ties and networks. In addition to being instrumental in nurturing a cohesive social fabric, I argue that such alliances could be thought of as strategies of appropriation of resources in the frontiers – areas that are considered to have immense agricultural potential and to be conducive to economic enterprise. Consequently, these areas are continuously changed and shaped through immigration, population growth, and agricultural intensification. However, cross-cutting ties and intergroup alliances may not necessarily prevent the occurrence or escalation of conflicts. Nevertheless, disputes and conflicts, which form part of the social order in the studied area, create the opportunities for locally contextualised systems of peace and non-violence that inculcate the values of cooperation, coexistence, and restraint from violence. Although the neo-traditional institutions (local peace committees and Nyumba Kumi) face massive complexities and lack the capacity to handle serious conflicts, their application of informal constraints in dispute resolution provides room for some optimism. Notably, the formation of ties and alliances between the studied groups, and the use of local norms and values to resolve disputes, are not new phenomena – they are reminiscent of historical patterns. Their persistence, particularly in the context of Kenya, indicates a form of historical continuity, which remains rather “undisturbed” despite the prevalence of ethnicised political economies. Indeed, the formation of alliances, which are driven by mutual pursuit of commodities (livestock, rental land, and agricultural produce), markets, and diversification, tends to override other identities. While the major thrust of social science literature in East Africa has focused on the search for root causes of violence, very little has been said about the conditions and practices of cooperation and non-violent conflict resolution. In addition, situations where prior violence turned into peaceful interaction have attracted little attention, though the analysis of such transitional phases holds the promise of contributing to applicable knowledge on conflict resolution. This study is part of a larger multidisciplinary project, “Resilience in East African Landscapes” (REAL), which is a Marie Curie Actions Innovative Training Networks (ITN) project. The principal focus of this multidisciplinary project is to study past, present, and future thresholds and sustainable trajectories in human-landscape interactions in East Africa over the last millennia. While other individual projects focus on long-term ecosystem dynamics and societal interactions, my project examines human-landscape interactions in the present and the very recent past (i.e. the period in which events and processes were witnessed or can still be recalled by today’s population). The transition from conflict to coexistence and from competition to cooperative use of previously violently contested land resources is understood here as enhancing adaptation in the face of social-political, economic, environmental, and climatic changes. This dissertation is therefore a contribution to new modes of resilience in human-landscape interactions after a collapse situation.

Turning conflict into coexistence: cross-cutting ties and institutions in the agro-pastoral borderlands of Lake Naivasha basin, Kenya.
Köln: Institut für Ethnologie, Diss., 2016.

Die medizinische Landschaft Benins ist geprägt von einer Fülle therapeutischer Traditionen, deren Lehren in unterschiedlichem Maße miteinander konvergieren und konfligieren. Durch Globalisierungsprozesse im Bereich der Medizin stehen in Benin neben indigenen medizinischen Spezialist/inn/en nicht nur die Biomedizin, sondern auch TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und diverse religiöse Einrichtungen (z.B. innerhalb Christentum, Islam, Ahnendienst und Vodoun) für Therapien zur Verfügung. Trotz des historisch begründeten machtpolitischen Vorteils der Biomedizin, wird diese in Benin zwar in Anspruch genommen, verdrängt aber keineswegs andere therapeutische Einrichtungen. Stattdessen nutzen Patienten und Patientinnen die Angebote verschiedener Heilsysteme ? chinesische, religiöse, indigene etc. ? parallel zu oder anstelle von biomedizinischen. Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht in der Untersuchung von Nutzungskriterien und Entscheidungsverläufen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinsichtlich ihrer medizinischen Versorgung. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Bevölkerung durch ihr Verhalten die Durchsetzung bestimmter medizinischer Praktiken beeinflusst und dadurch Institutionen bestimmter Medicoscapes fördert. Obwohl die Einwohner/innen Benins in ihrem Auswahlverhalten selbstverständlich auch von den durch Globalisierungsprozessen gelenkten therapeutischen Angeboten tangiert werden, nehmen sie ebenfalls direkten Einfluss auf den Verlauf von Globalisierungsprozessen, indem bestimmte Einrichtungen medizinischer Traditionen angenommen werden oder auch nicht. Um diesen Fragen nach Nutzungskriterien und Entscheidungsverläufen bei der Bevölkerung nachzugehen, befasse ich mich in der vorliegenden Arbeit zunächst mit lokalen Krankheits- und Gesundheitskonzepten. Therapeutische Ressourcen, Verhalten im Krankheitsfall, Bezugspersonen und private Netzwerke, die in gesundheitsrelevanten Fragen aktiviert werden können, werden in den anschließenden Kapiteln aus akteurzentrierter Perspektive betrachtet. Die Arbeit beruht auf einer 20-monatigen quantitativen und qualitativen Feldforschung, die zwischen 2000 und 2004 durchgeführt wurde.

Befindensweisen und therapeutische Wege in Dendougou, Benin.
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2005.

Karawanenwege durchzogen und durchziehen seit Jahrhunderten die Sahara. Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den gegenwärtigen, überregionalen Transsahara-Handel in der Region der heutigen Länder Tschad, Sudan und Libyen zu beschreiben und darzustellen. Ausgehend von der historischen Wadai-Benghazi-Route, ihren Entwicklungen und den Veränderungen in den letzten einhundert Jahren besteht das Ziel der Arbeit in der Ergründung der sozioökonomischen Situation Anfang des 21. Jahrhunderts. In der Untersuchung dieser Frage wurde deutlich, dass die heutige Form der Handelsverbindung primär das Resultat von soziopolitischen Netzwerken ist und damit Ähnlichkeit zu historischen Handelsverbindungen aufzeigt. In der vorliegenden Arbeit werden historische, ökologische, politische und wirtschaftliche Hintergründe für die Etablierung der neuen Händlerelite der Zaghawa aufgezeigt, die es verstand, neue Handelsnetzwerke zu knüpfen, bestehende Verbindungen neu zu beleben und weiter zu entwickeln, so dass sich dadurch neue Formen von wirtschaftlichen Beziehungen und zuletzt auch neue Wegstrecken ergeben konnten. Die Untersuchungen im unmittelbaren Umfeld von dem Darfur-Konflikt zeigten deutlich auf, wie stark überregionale Handelsgeschäfte an politische Faktoren geknüpft sind und wie wichtig es ist, Handelsverbindungen den aktuellen Veränderungen unmittelbar und flexibel anzupassen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer detaillierten, ethnographischen Beschreibung der notwendigen Vorbereitungen, der Organisation, der Durchführung und der Abläufe innerhalb des gegenwärtigen, überregionalen Kamelhandels sowie den Kommunikationssträngen, den Schwierigkeiten und den Chancen innerhalb des Handelsgeschäftes. Das Kamel, das in den letzten Jahren eine Transformation von einem Transportmittel zur gehandelten Ware durchlaufen hat, ist in dem überregionalen Handel zwischen Tschad und Libyen weiterhin ein wichtiger Bestandteil. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Bedeutung des Zuckers als Handelsgut (als zweite wichtige Ware neben dem Handelsgut Kamel) für die einzelnen Haushalte, die Gesellschaft und den Markt untersucht. Anhand einer ausführlichen Marktanalyse des tschadischen Marktes Tiné zeigt sich die Bedeutsamkeit dieses Handelsgutes sogar anhand der Marktstruktur, so dass abschließend der Frage nachgegangen wird, wie die Handelswaren Kamele und Zucker, die hier vornehmlich gegen einander getauscht werden, im Verhältnis zueinander stehen und welche Wichtigkeit sie für diese Region besitzen. Die Arbeit beruht auf einer insgesamt 20-monatigen ethnologischen Feldforschung im Tschad, im Sudan und in Libyen, die zwischen 2003 und 2007 durchgeführt wurde. In sechs Feldaufenthalten sowie bei der Begleitung von zwei überregionalen Karawanen wurden quantitative sowie qualitative Daten erhoben.

Kamele und Zucker. Transsahara-Handel zwischen Tschad und Libyen.
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2009.

Die mobilen Herdenhalter im Norden Kenias und in vergleichbaren Gebieten Ostafrikas befinden sich seit mehreren Jahrzehnten in einer anhaltenden Krise. Das Zusammenwirken von Bevölkerungswachstum, Weidedegradation und eskalierenden interethnischen Konflikten hat auch bei den pastoralnomadischen Pokot des East Pokot Districts die Fähigkeit vieler Haushalte erheblich reduziert, Risiken adäquat zu minimieren und kurzzeitige Störungen wie Dürren, Viehkrankheiten und Viehdiebstähle so zu kompensieren, dass ihre Subsistenz erhalten bleibt. Die Viabilität einer pastoralnomadischen Lebensweise ist deshalb oftmals nicht mehr gegeben und die Menschen müssen alternative Strategien entwickeln, um ihr Auskommen zu sichern. Die daraus resultierende Diversifizierung der Ökonomie geht mit einer veränderten Herdenkomposition, marktorientierter Kleinviehhaltung und zunehmender Seßhaftwerdung einher. In den ersten Kapiteln der Dissertation werden zunächst die maßgeblichen wirtschaftlichen Innovationen und Transformationen beschrieben und analysiert, sowie ihre gegenseitigen Wechselwirkungen und sozialen Konsequenzen aufgezeigt. Anschließend wird der Beitrag bewaffneter Konflikte zum Wandel der Pokotgesellschaft thematisiert und soziale Veränderungen, die sich im Zuge von Alphabetisierung und Christianisierung ereignet haben, werden ausführlich erörtert. Die lokale Transformationsdynamik wird dabei vor dem Hintergrund relevanter regionaler, nationaler und transnationaler Prozesse, Strukturen und Agenden betrachtet. Der vorliegende Dissertationstext beruht auf einer ethnologischen Feldforschung von insgesamt achtzehn Monaten Dauer, die zwischen Oktober 2003 und Juli 2005 in zwei Forschungsphasen durchgeführt wurde. Durch die zusätzliche Einbeziehung umfangreichen Datenmaterials aus den 1980er und 1990er Jahren wird die zentrale Forderung der empirisch ausgerichteten Ethnologie nach längerfristig erhobenen Daten erfüllt, die heute als unabdingbare Voraussetzung für die sozialwissenschaftlich valide Beschreibung gesellschaftlichen/kulturellen Wandels gelten.

Innovation und Transformation bei den pastoralnomadischen Pokot (East Pokot, Kenia).
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2007.

Die vorliegende Arbeit thematisiert die komplexe Vielfalt lokaler Lebensformen in einem südmarokkanischen Oasendorf in Auseinandersetzung mit externen Einflüssen, wie sie besonders durch Migration entstehen. Es wird nachgewiesen, wie sich die Bedeutung und Bewertung nationaler, zirkulärer Migration in den Augen der Akteure wandelt. Es sind vor allem verheiratete Migranten mit Kindern, die sich zunehmend die Frage stellen: "Gehen, damit andere bleiben können?" Loyalitätskonflikte empfinden viele Migranten dann, wenn sie ihren Lebensentwurf mit Frau und Kindern in der Stadt nicht verwirklichen können. Denn aufgrund ihrer beruflichen Situation ist die Mehrheit der Arbeitsmigranten nicht in der Lage, den elterlichen Haushalt im Dorf und einen eigenen Haushalt in der Stadt zu finanzieren. Der erste Themenkomplex behandelt die Frage, welche Auswirkungen die männlich dominierte, vorwiegend nationale Migration am Ort der Feldforschung, dem Oasendorf Ouled Yaoub, auf vorherrschende Geschlechterdifferenzen und Handlungsspielräume hat. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf den Machtstrukturen, welche die Handlungsspielräume zwischen Männern und Frauen sowie innerhalb der beiden Geschlechtergruppen prägen. Im Zentrum steht die Darstellung herrschender Diskurse und persönlicher Perspektiven verschiedener Akteure. Akteure sind in der vorliegenden Studie nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche beiderlei Geschlechts - sie sind die zukünftigen Akteure von Migration und haben bestimmte Einstellungen zur Migration und spezifische Lebensentwürfe. Die vorliegende Studie hat gezeigt, dass in zentralen Lebens-bereichen wie Heirat, Familie, Residenz und Bildung für beide Geschlechter diverse Anstöße für eine veränderte Bewertung der eigenen Lebenssituation gegeben wurden und sich neue Chancen einer alternativen Lebensgestaltung bieten. Diese Entwicklung kann zukünftig zu einem grundlegenden Wandel der Verhältnisse führen. Schon heute ist bei Jugendlichen und Erwachsenen eine zunehmende Orientierung auf die Stadt zu beobachten. Viele Jugendliche beiderlei Geschlechts betrachten Bildung als beste Strategie für Aufwärtsmobilität und damit verbunden mehr individualistische Gestaltungsmöglichkeiten für ihr Leben. Im zweiten Themenkomplex liegt der Fokus auf der Dorfebene. Hier gilt es zu klären, welche Auswirkungen die Arbeitsmigration auf die ökonomische Lage und Beziehung der Haushalte zueinander hat, auf das Zusammenleben der Dorfgemeinschaft und auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen von Akteuren. Es fließen vor allem nationale Transferleistungen in die Haushalte, da das Dorf nur über wenige internationale Migranten verfügt. Damit ändert sich die interne Stratifikation der Haushalte, ehemals benachteiligte ethnische Gruppen können durch erfolgreiche Migration an Ansehen und Einfluss gewinnen. Dieser Wandel in den Machtverhältnissen spielt sich jedoch nicht konfliktfrei ab, Konflikte prägen das politische Leben des Dorfes. Macht und Einfluss wird nicht nur im Dorfrat verhandelt, sondern auch im Verein für Dorfentwicklung, in dem verschiedene Gruppen von Akteuren aktiv sind. Hier spielt die Gruppe ehemaliger Bildungsmigranten eine wichtige Rolle, die mit ihren "modernen" Kenntnissen zur Vereinsführung und Akquirierung von Geldern der alten Dorf-Elite gegenübersteht. Die Arbeit beruht auf einer rund 13-monatigen Feldforschung, die zwischen 2002 und 2006 stattfand und sich in mehrere kürzere und einen längeren Feldaufenthalt gliedert. Beim Thema Migration bot sich eine multilokale Feldforschung innerhalb Marokkos an. Daten aus verschiedenen Interviewtechniken (offene und Leitfadeninterviews, problemzentrierte und Experteninterviews, Interviewmischformen) und teilnehmender Beobachtung wurden durch Surveys zum Migrationsverhalten sowie zum Investitionsverhalten der Haushalte ergänzt.

Gehen, damit andere bleiben können? Migration, Geschlecht und sozio-ökonomischer Wandel in einem südmarokkanischen Oasendorf.
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2010.

Armut ist ein Resultat von verschiedenen Faktoren in Entwicklungsländern, welche das Wohlbefinden der Menschen beeinflusst. Die Studie analysiert Parameter, die Geschlechter und Zugang zu Grundstücken befasst um Phänomene der Armut im "Lindi Bezirk" um Sud-Osten Tansania zu untersuchen. Besondere Bedeutung haben geschlechtorientierte Rechte, die sich mit Nutzungen, Zugang, Besitz und die Aufsicht von Grundstück befassen. Während der gesamten Studie wurde das Geschlecht als ein Mittel der Analyse verwendet. Dies hat die Perspektive der Frau in bezug auf Grundstücksrechte erweitert. Tansania ist ein agrarisches Land, in dem das Grundstück als ein fundamentaler Faktor zur Armutsanalyse betrachtet werden kann. Für nur wenige im ländlichen Tansania ist es möglich durch andere Methoden (außer Land) ihren Unterhalt zu bestreiten, wie zum Beispiel durch einen festen Arbeitsplatz, viele Leute in Tansania arbeiten in der Landwirtschaft Jedoch gibt es bislang nur wenig Informationen über die steigende Unsicherheit über die Grundstücksrechte der Frauen. Die meisten Landbesitzsysteme land tenure system in Tansania erlauben Frauen nicht in ihrem eigenen Recht Grundstück zu besitzen. Ihre Rechte werden weitgehend über ihre Beziehung zu Männern bestimmt, insbesondere jedoch durch ihren Status als Ehefrauen. Deswegen hat das land tenure system Frauen und Männer auf eine andere Art und Weise betroffen. Folgerichtig unterscheidet sich die relative Verteilung der Armut zwischen Frauen und Männern erheblich. Diese Studie richtet sich an die Benachteiligung der Frau in Grundstücksangelegenheiten und erstellt hiermit eine Verbindung zu deren schwacher sozioökonomischen Situation dar. Diese Studie errichtet darüber hinaus einen enge Relation zwischen Heirat und der Grundstücksrechte der Frau. Dies gibt einen Hinweis darüber, dass das Geschlecht eine große Rolle bei den Grundstücksrechten der Frauen auf Haushaltsebene spielt. Dieses Problem hat die Grundstücksrechte der Frau des Weiteren verunsichert und hat demzufolge ihre Gefahr in Armut ausgesetzt zu sein erhöht. Der Schwerpunkt dieser Studie richtet sich an geschlechtesbezogene Aspekte der Grundstücksrechte. Die Studie analysiert die Art von Grundstücksrechten, die die Tansanische Gesellschaften den befugten Frauen bietet. Andere spezifische Aspekte sind: 1. lokale Meinungen über Armut zu analysieren. 2. Die Konditionen, unter denen Erwerb, Übergabe und Aufsicht der Grundstücke bei Frauen erfolgt, abzuschätzen. 3. Faktoren zu identifizieren, die entweder die Anstrengungen der Frau zur Armutsminderung unterstützen oder hindern, solange der Besitz und Kontrolle der Grundstücke in einem männlich dominierten sozioökonomischen Rahmen geschehen. 4. Die Geschlechtseinteilung von Arbeit und Haushaltsentscheidungen einzuschätzen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Verletzbarkeit der Frauen in bezug auf Armut in Nyangao village ein Resultat von sowohl sozioökonomischen als auch soziokulturellen Faktoren ist. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass weibliche Familienvorstände in Nyangao village Grundstücksrechte durch die Allokation der Dorfregierung erhalten können. Des Weiteren berichtet diese Studie, dass es eine Steigerung in der Anzahl von weiblichen Familienvorständen gab, die Grundstücke von ihren Eltern erhalten haben. Dies ist gegensätzlich zu der patriarchalischen Orientierung und stellt eine Herausforderung zu diesem System dar, da es die Evolution von Grundstücksübergabe außerhalb des patriarchalisch definierten Ablaufs motiviert. Der Grundbesitz-Eigentumsstatus der Frauen in Nyangao village ist gefährdet durch die Agrarreformen, die durch die "Structural Adjustment Programmes (SAPs)" und wirtschaftliche Liberalisierung beeinflusst werden. Deshalb werden flexible Regelungen der Eltern, die zuvor vorteilhaft für Frauen (alleinerziehende Mütter) waren immer weiter gefährdet. Resultate dieser Studie zeigen, dass die relativ geschlechtssensible Wiederverteilung von Grundstücken innerhalb der Haushalte, und die neuer Trend zum gleichberechtigtem Erberecht zwischen männlichen und weiblichen Kindern weist darauf hin, dass dies zu eventuellen wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Frau führen könnte. Der berechtigte Zugang und die Kontrolle über Grundstück von Frauen könnte Wohlfahrt, Effizienz, Gleichheit und Bemächtigung erzeugen. Es wird erwartet, dass dies das gestörte Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern vermindern wird, welches ein wichtiger Mechanismus zur Armutsminderung ist. Diese Studie basiert auf qualitativen und quantitativen Daten, die zwischen August und Dezember 2003 erfasst wurden. Der primäre Schwerpunkt wurde, auf Grund des Charakters dieser Studie, auf die qualitativen Daten gelegt. Sowohl primäre als auch sekundäre Quellen wurden zur Datensammlung verwendet. Eine Fallstudie zu "Nyangao Village", welches sich im ländlichen Lindi Bezirk, Lindi Region in Südost Tansania befindet, wurde auserwählt und als primäre Datenquelle verwendet. Die qualitativen Daten wurden durch "Focus Group Discussions (FGDs)", gründliche Interviews, Lebensgeschichten und Beobachtungen erfasst.´Die Studie verwendete ebenfalls strukturierte Fragebogen. Insgesamt wurden 180 Befragte von 180 Haushalten auserwählt. Während die quantitativen Daten mit Hilfe des "SPSS package" analysiert wurden, wurden die qualitativen Daten manuell verarbeitet und interpretiert.

Haushaltsökonomie, Kooperation und institutioneller Wandel - Kleinbäuerliche Überlebensstrategien im Norden Namibias.
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2001.

AIDS geriet Anfang der 1980er Jahre ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Die Medialisierung der Epidemie in der westlichen Gesellschaft fokussierte auf homosexuelle Übertragungswege. Im Laufe der letzten 25 Jahre hat sich das Virus weltweit ausgebreitet. Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen unabhängig von ihrer sexuellen Neigung oder ihrem sozio-kulturellen Hintergrund sind mittlerweile davon betroffen. Die Epidemiologie hat sich aber durch die Einführung von Medikamenten (HAART) Mitte der 1990er Jahre für diejenigen, die Zugang zu diesen haben verändert: Aus einer tödlichen Epidemie wurde eine chronische Krankheit. Mit diesem Wandel änderten sich auch die Strategien im öffentlichen Gesundheitswesen. Informierte es anfangs hauptsächlich über die Krankheit und ihre tödlichen Folgen, traten nun Themen wie Betreuung und Unterstützung von Menschen, die mit dem Virus leben, in den Vordergrund. 2007 leben in Sambia ungefähr 11,7 Millionen Menschen, und die HIV-Prävalenz bei Erwachsenen liegt bei 17 Prozent, d.h. fast jeder sechste Erwachsene ist mit HIV infiziert. In den letzten Jahren stagniert die Neuinfektionsrate trotz positiver Behandlungsstrategien bzw. sinkt nur geringfügig. Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass sich immer mehr Menschen auf HIV testen lassen bzw. getestet werden und nun auch bereits ältere Infektionen in die Statistiken einfließen. Die Medien haben derweil die Aufgabe übernommen, über die Epidemie aufzuklären und diese Informationen über diverse Kanäle einer breiten heterogenen Öffentlichkeit zu vermitteln. Doch wie präsent sind Medien, die über HIV/AIDS berichten und wer hat Zugang dazu? Wie sieht die mediale Umsetzung aus? Werden Medien zu bestimmten HIV/AIDS-Themen überhaupt wahrgenommen? Fühlen sich die Rezipienten von den Botschaften angesprochen? Sind die zu vermittelnden Informationen "lesbar"? Die Arbeit basiert auf mehreren Feldforschungsaufenthalten in der samibischen Hauptstadt Lusaka 2007 und 2008. In erster Linie wurden qualitative Daten mit Hilfe von Tiefeninterviews, Leitfrageninterviews mit variablen Fragenkatalogen und teilnehmender Beaobachtung erhoben. Die Arbeit unterteilt sich in fünf Kapitel, in denen das Thema HIV/AIDS in seiner medialen Umsetzung und Rezeption in Sambia dargestellt wird und anhand eines bestimmten Sample in Lusaka näher analysiert wird. Nach der Einführung in die Thematik, gibt das zweite Kapitel einen Überblick über den Forschungsgegenstand: die HIV/AIDS-Situation in Sambia, eine Darstellung der Medialisierung von HIV/AIDS in Sambia sowie eine Inhaltsanalyse der sambischen Printmedien. Im dritten Kapitel stehen sprach - und kommunikationswissenschaftliche Aspekte im Vordergrund. Bei der Betrachtung von Medien zu HIV/AIDS und ihrer Umsetzung im öffentlichen Raum zeigen sich häufig Problemfelder in Hinsicht auf eine geeignete "lesbare" Visualisierung in der AIDS-Präventionswerbung und einer sprachlich verständlichen Verwendung von Botschaften. Das vierte Kapitel widmet sich der Rezeption von Medien in Lusaka und dies in dem Vorort Kanyama. In drei Abschnitte unterteilt werden bestimmte HIV/AIDS-Schwerpunktthmen in gesundheitlichen Aufklärungskampagnen näher beleuchtet: beginnend mit sozialen und medizinischen Versorgungsmöglichkeiten über Sexualität und Glauben bis hin zur medialen Umsetzung von Gender-Themen. Im abschließenden Kapitel wird versucht, eine Antwort auf die aufgeworfenen Fragen zur Medienwahrnehmung zu geben sowie weiterführende und für die Zukunft relvenate Fragestellungen zu den Themen Medieninhalte und Mediennutzung bei Informations- und Präventionskampagnen zu skizzieren.

Poverty and the Gendered Dimension of Land Rights in Southeast Tanzania: A Case of Nyangao Village, Lindi.
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2007.

Die vorliegende Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, wie die englischsprachige Presse Südafrikas durch ihre Berichterstattung zum Thema Gewalt zwischen 1976 und 2002 das Weltbild weißer SüdafDirikaner beeinflusst hat. Es handelt sich hierbei um eine interdisziplinäre Arbeit, in der die Grundlagen der Ethnologie mit den Theorien und Arbeitsweisen der britischen Cultural Studies und der kritischen Diskursanalyse vereint werden. Anhand einer eingehenden Analyse der Presseberichte und einer umfassenden Literaturrecherche sowie einer 14monatigen Feldforschung in Südafrika wird aufgezeigt, auf welche Weise die Presse die Realitätswahrnehmung der Leser und ihre Reaktion auf das Wahrgenommene mit Hilfe kulturell gefestigter Bilder beeinflusst hat. Die Geschichte Südafrikas ist seit Jahrhunderten gezeichnet von Gewalt. Besonders in den letzten Jahrzehnten hat die Thematik im Bewusstsein der weißen Bevölkerung und in der Berichterstattung der Medien eine zentrale Rolle eingenommen. Während des gesamten Untersuchungszeitraums betrachteten die Medien die herrschende Gewalt unter dem Gesichtspunkt der Rassenfrage. Die (weitgehend weiße) Eigengruppe der Journalisten und die (überwiegend schwarze) Fremdgruppe wurden stets so dargestellt, als stünden sie an entgegengesetzten Enden des moralischen Spektrums, und der Themenbereich Gewalt wurde entsprechend lexikalisiert. Die Eigengruppe wurde, so weit wie möglich, der Verantwortung für Gewalttaten enthoben, während die Fremdgruppe exzessiver Gewalttätigkeit beschuldigt wurde. Dies gilt sowohl für die politischen Unruhen der Apartheidszeit als auch für die Gewaltkriminalität der letzten Jahrzehnte. Die Vorstellungen der weißen Bevölkerung Südafrikas weisen erstaunliche Parallelen zu dieser Darstellung auf. Dies deutet darauf hin, dass die Zeitungen die Menschen nicht nur über das Weltgeschehen informiert haben. Ihre Themenwahl hat die südafrikanische Gewaltvorstellung nachdrücklich beeinflusst und ihre Beschreibungen formten die öffentliche Meinung. Sie legten fest, was als Gewalt zu sehen sei, und gaben den Menschen ein sprachliches Repertoire zur Beschreibung der Taten. Auf diese Weise schrieben sie im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte.

Don't Sit back! Take Charge of your Life! Medialisierung der HIV/AIDS-Epidemie im urbanen Sambia
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2010.

This thesis offers a first scientific portrait of the Baka in North-Eastern Gabon, a group of post-foragers living along the River Ivindo, and the way they practice and conceptualise mobility. The inquiry encompasses the long-term historical and the daily or short-term current mobility of this group, elicited through life histories and participant observation. The central premise of this work is that mobility is relational. Relational refers to interaction of movement and fixity, of position and outcome, and to the understanding of mobility as socially produced. The second concept employed is that of motility, the capacity or potential to be mobile. As motility analyses what comes before observable movement, of potential and actualised outcome as mobility or immobility, it takes up the idea of mobility as relational. The Baka living on the Ivindo migrated from Cameroon and Congo into Gabon over the last approximately 60 years. In contrast to established approaches to forest forager mobility, which focus mainly on resource mobility during an annual cycle, this study considers the long-term and larger geographical perspective and shows that the quality of personal relations between Baka and their neighbours is decisive in mobility considerations. Previously these relations were characterised as a structural opposition between two ethnic groups. This analysis demonstrates the heterogeneity of people and their interactions, in the past and the present, to argue, firstly, that relations are more appropriately conceptualised as multilateral, and, secondly, that an inquiry remains incomplete without considering affections and emotions. A principal mobility factor for the Baka is the search for a good life, meaning economic improvement and freedom from violence. This search coincides with a diversification of Baka livelihoods to include subsistence practices as well as working in the gold sites of Gabon. Employing motility shows the aspirations and limitations of Baka personal and group mobility in gold work. Motility is also understood as ‘mobility capital’ and thereby helps document social change, and how gold work is undertaken with reference to Baka egalitarian social organisation to be successful. By including group and individual as well as different temporalities in the analysis, and detailing the impact of social values on mobilities, motility gives depth to the analysis of mobility.

Black Peril, White Fear. Representations of Violence and Race in South Africa’s English Press, 1976-2002, and Their Influence on Public Opinion.
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2005.

Die vorliegende Arbeit bietet eine kritische Analyse des namibischen Museumswesens von der Apartheidzeit bis in das Jahr 2004. Museen werden dabei als Orte verstanden, an denen natürliche und soziale Beziehungen sowohl reflektiert als auch geformt werden. Sie bilden die Schnittstelle zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven und dienen der Aushandlung von Identitäten, der Konstruktion von Geschichte und der Produktion von Wissen. Die Arbeit folgt bekannten postkolonialen Ansätzen in ihrer Überzeugung, dass sich Kolonialismus über die Konstruktion von Wissen durch die trennende Repräsentation des Selbst und des Anderen manifestiert. Entsprechend möchte sie diese Trennung analysieren und zugrunde liegende Diskursstrukturen sowie Repräsentationsformen aufdecken. Dies erfolgt mit Hilfe einer semiotischen Analyse beispielhafter Ausstellungen, deren Bedeutungen und Aussagen in ihrer Entstehung gesellschaftlich kontextualisiert werden. Dabei liegt besonderes Augenmerk auf den Machtstrukturen welche die gesellschaftlichen Diskurse prägen. Konkret will die Arbeit Antworten auf folgende Fragen geben: 1. Welche Inhalte wurden und werden in namibischen Museen vermittelt? 2. Wer hatte wann in Namibia die Möglichkeit, Geschichtsbilder zu konstruieren und museal zu präsentieren? 3. Wo liegen die Wurzeln für die vermittelten Inhalte? Wie sind sie entstanden? Aus welchen kolonialen oder postkolonialen Diskursen stammt das vermittelte Wissen? Und 4. Welche Auswirkungen hatten und haben die Präsentationen auf die namibische Gesellschaft? In welcher Beziehung stehen sie zur kolonialen und postkolonialen Situation? Leisten sie einen Beitrag zum Dekolonisierungsprozess Namibias? Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in das namibische Museumswesen, in der die bestehenden 59 Institutionen nach ihrer nationalen bzw. regional/kommunalen Ausrichtung beschrieben werden. Die folgenden sechs Kapitel sind in zwei Teile untergliedert: Kapitel drei und vier thematisieren Ausstellungen, die in der Kolonial- und Apartheidzeit errichtet wurden. Es werden zunächst die ethnografischen Ausstellungen unter dem Aspekt der Fremdrepräsentation und in Kapitel vier die Selbstrepräsentationen durch die deutschsprachigen Namibier in ihren Heimatmuseen analysiert. Die Entwicklungen im Museumswesen Nach der Unabhängigkeit 1990 werden in Teil II thematisiert. Auch hier stehen die Selbst- und Fremdrepräsentationen verschiedener Akteure im Mittelpunkt. Kapitel sechs behandelt die Selbstrepräsentationen der neuen staatlichen Akteure, Kapitel sieben zeigt die Kontinuierung kolonialer Geschichtskonstruktionen in Heimatmuseen auf und Kapitel acht schließlich thematisiert die Repräsentation von Kultur als nationales Erbe im modernen Namibia. Im abschließenden Fazit wird versucht, eine Antwort auf die Frage nach der Rolle musealer Institutionen im Kolonisierungs- und Dekolonisierungsprozess Namibias zu geben. Es werden sowohl Kontinuitäten in den Aussagen musealer Ausstellungen als auch Brüche auf Seiten der Akteure des Museumswesens aufgezeigt. Die Verbindung zum südafrikanischen Kontext ermöglicht abschließend einen Ausblick auf mögliche postkoloniale Entwicklungen im namibischen Museumswesen. Die Arbeit basiert auf einer 18-monatigen Feldforschung, die zwischen 1999 und 2004 stattfand und sich in mehrere kürzere und einen längeren Feldaufenthalt gliedert. Daten aus teilnehmender Beobachtung und Interviews wurden durch detaillierte Ausstellungsprotokolle und Archivmaterialien ergänzt.

Motility and Relational Mobility of the Baka in North-Eastern Gabon
Köln: Institut für Völkerkunde der Universität, Diss., 2013.

Guangzhou, as a long-time center of business, attracts diverse African migrants that widely influence culture, religious practices, language as well as foreign policy and administration. A noticeable feature of this migration pattern is the emergence of Chinese-African marriages and partnerships and their resulting children. These families face constraints under the ‘Exit and Entry Administration Law’, the hukou (household registration/户口) system and other administrative measures, which can lead to an irregular or second-class status of Chinese-African couples and their children. This thesis provides insights into Chinese-African couples’ personal lives; marriage or partnership choices; economic conditions and employment; cultural, value and gender differences within families; different opinions on child-rearing; and positive and negative aspects of relationships with in-laws, relatives, and friends. Furthermore, the thesis explores Chinese traders’, co-workers’, and neighbors’ attitudes towards Africans and Africans’ attitudes towards Chinese. The study deals with the obstacles to legal status and social belonging that Chinese-African couples encounter and reviews the role of cultural and religious differences in their social relationships. Even if Chinese partners have lived in Guangzhou for several years, as members of the floating population (liudongrenkou/流动人口), they are not granted equal rights or official residency under the hukou system, and their extended family members in rural villages or towns are not able to give them financial or social support. These Chinese partners are outsiders in Guangzhou, where they live and work, as well as outsiders in the hometowns where they have no desire to return to. Their African partners are considered part of the foreign ‘floating population’ by the Guangzhou administration. They face difficulties with regularizing their stay, and as non-citizens have limited or no access to social security. Chinese partners have to find ways to help African partners to deal with status issues and cultural differences so as to adapt to Chinese society. In cases where Chinese-African couples have children, the latter often find it hardto build self-confidence under conditions of prejudice. Children whose Chinese and African parents are not married are not eligible for hukou status, and will have difficulties attending school. However, Chinese and African partners try to find support from religious groups, business communities or other Chinese-African families in order to gain a sense of belonging and to help their children. It can be seen that the majority of Chinese-African couples do not attain their shared goal of socioeconomic upward mobility.

Intercultural Marriage, Legal Status and Social Belonging in China: Chinese-African Couples and Families in Guangzhou.
Köln: Institut für Ethnologie der Universität, Diss., 2017.