Mensch-Umwelt-Beziehungen im BA- und MA-Studium

Wechselbeziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt spielen in der Geschichte der Menschheit seit jeher eine prägende Rolle. Heute werden sie  vielfach als problematisch und vulnerabel angesehen: neben globalem Klimawandel und Biodiversitätsverlust verändern regionale Degradationserscheinungen und Ressourcenverknappungen vielerorts grundlegend die Lebensbedingungen. Auf diese Veränderungen antworten lokale, nationale und internationale Maßnahmen, die die Grundlagen für nachhaltige Nutzung und Resilienz schaffen wollen: Biodiversitäts-, Arten- und Landschaftsschutz, Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen und Versuche, an den Klimawandel angepasste Mensch-Umweltbeziehungen zu fördern. Daneben bieten weltanschauliche Positionierungen vielfältige Interpretationsmuster, die zwischen verschiedenen Interessensgruppen ausgehandelt werden und nachhaltigere Lebensweisen propagieren sowie neue  Wertmaßstäbe institutionalisieren wollen. 

Die Ethnologie der Mensch-Umweltbeziehungen untersucht aus unterschiedlichen theoretischen Blickwinkeln und mit verschiedenen methodischen Zugängen die Zusammenhänge zwischen ökonomischem Handeln, sozialen und politischen Dynamiken, kulturellen Mustern einerseits und geo-biophysischen Umwelten andererseits. Sie profitiert dabei davon, dass sie auch Gesellschaften im Blick hat, die langfristig sowohl nachhaltiger mit ihrer Umwelt umgegangen sind, als auch andere Überzeugungssysteme und Wertmaßstäbe hinsichtlich ihrer Umwelt hervorgebracht haben. Sie bietet Grundlagen und methodologisches Rüstzeug, um einerseits kulturelle Besonderheiten zu erfassen und andererseits übergreifende Muster, Regelmäßigkeiten und Vernetzungen zu erkennen, da sie einen globalen Anspruch vertritt und in der Lage ist, eine vergleichende Perspektive einzunehmen. Dabei spielen Themenkomplexe wie Globalisierung, soziale Ungleichheit und  zunehmende Mobilität eine Rolle, ebenso wie die unterschiedlichen Institutionen des Managements natürlicher Ressourcen und Faktoren wie Gender, Wahrnehmung und Überzeugungssysteme in Bezug auf die Umwelt. 

Aktuelle Forschungsprojekte

Die zentralen Forschungsprojekte des Schwerpunkts liegen in den Themenbereichen „Resilienz und Reorganisation sozial-ökologischer Beziehungen“, „Institutionen des Wasser-und Landmanagements“, „Mobilitäten und Umwelten“,„Landwirtschaftlicher Wandel in Ostafrika“ und „Klimawandeldiskurse und lokale Aneignungen“ (Liste der Forschungsprojekte). Neben den durch DFG, BMBF- und EU geförderten Projekten, die dem Schwerpunkt angegliedert sind, werden auch Einzelpromotionen z.B. durch die a.r.t.e.s. Graduiertenschule und den DAAD unterstützt. 

Thematische Seminare und Forschendes Lernen

Neben der grundständigen Lehre im Schwerpunkt Mensch-Umweltbeziehungen (Introduction to the Anthropology of Human-Environment Relations, Introduction to Basic Concepts of Research into Hazards, Vulnerability and Resilience) werden im Bachelor und Master Ethnologie thematische Seminare angeboten, die oft unmittelbar an die Forschungsprojekte anknüpfen. Durch das Institut organisierte Feldforschungspraktika, Praktika im Zusammenhang von Forschungsprojekten sowie Feldforschungen im heimischen Kontext sind in ein- oder zweisemestrigen praxisorientierten Seminaren organisiert. Diese Seminare verbinden eine Ausbildung in Theorien und Methoden der ethnologischen Mensch-Umweltforschung, führen in interdisziplinäre Diskussionszusammenhänge ein und vermitteln ein Bild von Berufspraxis (Auswahl der Seminare aus den letzten Semestern). Die Verbindungen zwischen den Ethnologie-Studiengängen und dem englischsprachigen Master Culture and Environment in Africa garantieren interdisziplinäre Perspektiven, regionale Vertiefung und internationale Orientierung.

Wissenschaftlicher Austausch durch Workshops und Konferenzen

Fortgeschrittene Studierende im Bachelor und Master werden in die regelmäßigen thematischen meist international besetzten Workshops und Konferenzen und Vortragsreihen zu Mensch-Umweltbeziehungen eingebunden und erhalten so einen Einblick in die Forschungsprojekte und nehmen am Diskussionszusammenhang der Doktorand_innen und Postdoktorand_innen teil. In unregelmäßigen Abständen werden thematische und methodische Workshops und Summer Schools organisiert, die der vertiefenden Ausbildung der Doktorand_innen und der fortgeschrittenen Studierenden dienen (Auswahl der Konferenzen und Vortragsreihen der letzten Semester). 

Weitere Informationen zu den Lehrinhalten des Schwerpunktes >